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Zu viel Salz erhöht Herz-Kreislauf-Risiko

Zu viel Salz gilt heute als einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen dabei: Salz schadet nicht nur über einen erhöhten Blutdruck, sondern greift Blutgefäße direkt an, fördert Entzündungen und beschleunigt die Arterienverkalkung – selbst bei Menschen ohne Bluthochdruck.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 26 Mai 2026
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Wie viel Salz essen wir?

Salz ist lebensnotwendig. Der menschliche Körper benötigt das darin enthaltene Natrium für die Funktion von Nerven, Muskeln und den Flüssigkeitshaushalt. Problematisch wird es jedoch, wenn dauerhaft deutlich mehr Natrium aufgenommen wird, als der Organismus verarbeiten kann.

Genau das ist heute in vielen Ländern der Fall. Offiziell (WHO) werden maximal 5 g Salz pro Tag empfohlen – also ungefähr ein gestrichener Teelöffel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung „erlaubt“ mit 6 g pro Tag etwas mehr.

Tatsächlich liegt der weltweite Durchschnitt inzwischen bei etwa 10,8 g täglich. In einigen Ländern wie China werden sogar durchschnittlich 17,7 g Salz pro Tag konsumiert. Auch in Europa liegen viele Staaten deutlich über den Empfehlungen: Polen etwa bei 11,1 g; Spanien und Italien bei etwa 9,7 g (2).

In Deutschland konsumieren rund 50 % der Männer und knapp 39 % der Frauen mehr als 10 g Salz pro Tag.

Sogar 15 g und mehr nehmen 23 % der Männer und 15 % der Frauen zu sich.

Welche Lebensmittel enthalten Natrium?

Kochsalz (NaCl für Natriumchlorid) besteht chemisch aus Natrium und Chlorid. Die meisten gesundheitsschädlichen Effekte scheinen dabei vor allem vom Natrium auszugehen.

Die Hauptquelle für Natrium ist heutzutage Kochsalz und Produkte, die damit gewürzt sind.

Zur Orientierung: 5 g Kochsalz entsprechen etwa 2 g Natrium. Und 1 g Natrium nimmt man mit etwa 2,5 g Kochsalz zu sich.

Natürliche Lebensmittel sind meist natriumarm

Natürliche Lebensmittel enthalten eher wenig Natrium. Besonders natriumarm sind mit meist unter 30 mg Natrium pro 100 g Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Getreide.

Deutlich mehr natürliches Natrium enthalten dagegen Meeresfrüchte (teilweise über 300 mg), Fisch (80-110 mg), Eier (140 mg), Milch (40-50 mg) und Fleisch (60-90 mg).

Beim Gemüse ist Sellerie mit 80-100 mg eine Ausnahme.

Wie viel Salz ist zu viel?

Wissenschaftlich wird zwischen niedriger, moderater und hoher Natriumaufnahme unterschieden.

Eine geringe Aufnahme liegt bei unter 2,3 g Natrium pro Tag, was etwa 5,75 g Salz entspricht.

Moderate Mengen liegen zwischen 5,75 und 11,5 g Salz täglich, während Werte über 11,5 g als hoch gelten.

Welche Folgen hat der hohe Salzverzehr?

Die Folgen einer zu hohen Natriumaufnahme sind erheblich. Nach Daten aus einer Übersichtsarbeit vom November 2025 werden jährlich rund 1,7 bis 1,9 Millionen Todesfälle direkt mit einer zu hohen Salz- bzw. Natriumaufnahme in Verbindung gebracht (1).

Insgesamt ist eine ungesunde Ernährung inzwischen für etwa 40 Prozent aller kardiovaskulären Todesfälle verantwortlich (3). Besonders problematisch ist dabei, dass die meisten Menschen ihre Natriumaufnahme massiv unterschätzen.

Rund 75 % des aufgenommenen Natriums stammen nicht aus dem Salzstreuer zuhause, sondern aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln (Brot, Käse, Wurst, Fertiggerichten).

Mehrere große Studien zeigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit zunehmender Natriumaufnahme steigt. Eine Metaanalyse mit über 600.000 Teilnehmern ergab, dass Menschen mit hohem Salzkonsum (11,5 g und mehr) ein um 19 % erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Zusätzlich stieg das Risiko mit jedem zusätzlichen Gramm Natrium pro Tag – also etwa 2,5 g Salz – um weitere 6 %.

Salz erhöht den Blutdruck – aber das ist nicht alles

Der bekannteste Mechanismus ist der Einfluss auf den Blutdruck. Natrium bindet Wasser im Körper, wodurch das Blutvolumen steigt. Das Herz muss stärker pumpen und der Druck auf die Gefäßwände nimmt zu.

Bereits kleine Veränderungen sind messbar: Ein Natrium-Anstieg um nur 1 mmol/L kann den systolischen Blutdruck um etwa 1,9 mmHg erhöhen.

Langfristig führt ein dauerhaft hoher Natriumkonsum zu einer Überlastung der Nieren. Die Filtrationsleistung verändert sich, es kommt zu Hyperfiltration. Das bedeutet, die Nieren filtern unter Hochdruck, also viel schneller als normalerweise. Dies führt langfristig zu strukturellen Schäden an den Nierenkörperchen.

Gleichzeitig werden hormonelle Systeme aktiviert, darunter das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) und das sympathische Nervensystem. Diese Mechanismen verstärken wiederum Gefäßverengungen, Entzündungen und die Entstehung von Bluthochdruck.

Bemerkenswert ist jedoch, dass selbst Menschen mit normalen Blutdruckwerten bei hoher Natriumaufnahme bereits Gefäßschäden aufweisen. Studien aus dem schwedischen SCAPIS-Kollektiv konnten zeigen, dass eine höhere Natriumaufnahme selbst bei Personen mit normalem Blutdruck das Risiko für eine Arteriosklerose erhöht.

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Salz greift die Blutgefäße an – unabhängig vom Blutdruck

Besonders relevant sind die direkten Effekte von Natrium auf das sogenannte Endothel – die empfindliche Innenauskleidung der Blutgefäße. Dieses Endothel besitzt eine Schutzschicht, die Glycocalyx. Sie reguliert die Gefäßspannung, verhindert Entzündungen und schützt vor Anlagerungen von Immunzellen und Blutplättchen.

Hohe Natriumkonzentrationen schädigen diese Schutzschicht unmittelbar. Bereits ein Anstieg des Natriums im physiologischen Bereich reduziert die Aktivität der endothelialen Stickstoffmonoxid-Synthase (eNOS) um etwa 25 Prozent. Die eNOS ist ein Schutzenzym der Blutgefäße.

Wenn die eNOS-Aktivität sinkt, geht die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) zurück, einem der wichtigsten gefäßschützenden Moleküle des Körpers. NO erweitert Gefäße, hemmt Entzündungen und schützt vor Gefäßverkalkung.

Zusätzlich versteifen sich die Endothelzellen unter hoher Natriumbelastung. Eine Erhöhung der Natriumkonzentration um nur 5 % kann die Steifigkeit der Gefäßzellen um etwa 25 % erhöhen (4).

Dadurch steigt die mechanische Belastung der Gefäßwand, Entzündungszellen können sich leichter anheften und die Entstehung von Plaques wird begünstigt.

Die Autoren beschreiben Salz deshalb ausdrücklich als „vasotoxisch“ – also direkt gefäßschädigend – unabhängig vom Blutdruck.

Natrium verändert die Darmflora

Eine hohe Natriumaufnahme verändert auch die Zusammensetzung der Darmflora erheblich. Besonders betroffen sind Lactobacillus-Arten und andere Bakterien, die entzündungshemmende kurzkettige Fettsäuren produzieren.

Gleichzeitig nehmen entzündungsfördernde Bakteriengruppen wie Prevotella und bestimmte Firmicutes-Arten zu (5).

Diese Veränderungen bleiben nicht auf den Darm beschränkt. Durch die gestörte Darmflora steigt die Durchlässigkeit der Darmwand, entzündliche Stoffwechselprodukte gelangen leichter in den Blutkreislauf und fördern systemische Entzündungen.

Auch sinken schützende Stoffe wie Butyrat, während Substanzen (die Arteriosklerose fördern) wie Trimethylamin-N-oxid (TMAO) zunehmen. Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die von probiotischen Bakterienstämmen gebildet wird und viele gesundheitliche Vorteile hat.

Lesen Sie mehr darüber in unserem Artikel Butyrat - Das bewirkt die Buttersäure im Darm.

In Humanstudien normalisierte sich die Darmflora wieder, nachdem die Natriumaufnahme reduziert wurde.

Lesen Sie Details dazu in unserem Artikel Salzreiche Ernährung schadet der Darmflora, wo auch mögliche Zusammenhänge mit Autoimmunerkrankungen besprochen werden.

Natrium fördert stille Entzündungen im Körper

Neben der Darmflora beeinflusst zu viel Natrium auch direkt das Immunsystem. Eine hohe Natriumaufnahme aktiviert spezielle Immunzellen, darunter Th17-Zellen sowie entzündliche Monozyten. Diese Zellen produzieren vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe wie IL-17, IL-23, TNF-α und IL-1β.

Diese Immunzellen wandern anschließend in die Gefäßwand ein und fördern dort die Bildung und Instabilität arteriosklerotischer Plaques (Ablagerungen).

In einer Studie erhielten Teilnehmer zunächst rund 12 g Salz pro Tag – ein Wert, der in vielen Ländern durchaus üblich ist. Anschließend wurde die Salzaufnahme schrittweise auf 6 g reduziert – und sofort sank die Zahl entzündlicher Monozyten sowie entzündungsfördernder Botenstoffe deutlich. Nach erneuter Erhöhung der Salzaufnahme stiegen die Werte wieder an (6).

Die Ergebnisse zeigen, dass eine hohe Natriumaufnahme chronische Gefäßentzündungen aktiv fördern kann – und dass sich diese Prozesse durch eine Ernährungsumstellung zumindest teilweise rückgängig machen lassen.

Natrium beeinflusst auch Stoffwechsel und Gewicht

Zu viel Natrium wirkt sich nicht nur auf Blutgefäße aus, sondern beeinflusst auch Stoffwechselprozesse. Studien zeigen Zusammenhänge mit Insulinresistenz, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Fettlebererkrankungen.

Besonders auffällig ist der Zusammenhang mit Adipositas. Für jedes zusätzliche Gramm Salz pro Tag steigt das Risiko für Übergewicht bei Kindern um 28 % und bei Erwachsenen um 26 %. Auch das Risiko für zu viel Bauchfett nimmt deutlich zu.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. So steigert eine hohe Natriumaufnahme unter anderem den Appetit, erhöht den Konsum zuckerhaltiger Getränke und beeinflusst Hormone wie Ghrelin und Leptin, die Hunger und Sättigung regulieren.

Gleichzeitig fördert das Mineral oxidativen Stress und Entzündungsprozesse, die wiederum Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörungen verstärken.

Wo besonders viel Salz versteckt ist

Viele Menschen denken bei diesem Thema vor allem an Chips oder Salzstangen. Tatsächlich stecken die größten Mengen häufig in ganz normalen Alltagsprodukten und Fast Food. Besonders hohe Mengen enthalten beispielsweise:

Pizza: etwa 7–12,8 g Salz; Instantnudeln: 2,8–4,1 g; Döner/Kebab: 4–8,4 g; asiatische Take-away-Gerichte: bis zu 11 g; Fertigsuppen: bis zu 4,1 g; typische Fast-Food-Menüs: etwa 4,5 g.

Damit kann bereits eine einzige Mahlzeit die empfohlene Tageshöchstmenge vollständig überschreiten.

Auch die Verwendung natriumreicher Gewürze, wie z. B. Tamari, Shoyu und andere Würzsaucen können unauffällig die Natriumaufnahme erhöhen.

Was man im Alltag konkret tun kann

Die wirksamste Maßnahme ist eine deutliche Reduktion stark verarbeiteter Lebensmittel. Wer häufiger frisch kocht, automatisch weniger Fertigprodukte konsumiert und auf versteckte Natriumquellen achtet, senkt die tägliche Natriumaufnahme oft erheblich.

* In unserer Rezeptsammlung Vegane Zutaten selbstgemacht finden Sie Rezepte für Gemüsebrühe, Saucen, Dips, Brot, Brötchen und Pizzateig – und haben auf diese Weise Ihren Salzkonsum viel besser unter Kontrolle.

Zusätzlich spielt Kalium eine wichtige Rolle. Kalium wirkt dem Natrium entgegen und unterstützt die Blutdruckregulation.

Studien zeigen, dass jedes zusätzliche Gramm Kalium pro Tag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 18 % senken kann. Gute Kaliumquellen sind Gemüse, Bohnen, Kartoffeln, Spinat, Avocados und Hülsenfrüchte.

Besonders gut untersucht ist außerdem die sogenannte DASH-Ernährung. Sie basiert auf viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln.

In Kombination mit einer Salzreduktion konnte damit in Untersuchungen das 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 14,1 % gesenkt werden (7).

Die DASH-Ernährung ist auch vorteilhaft zur Blutdrucksenkung und Demenz-Prävention.

Fazit: Weniger Salz – und Risiko für Herzinfarkt sinkt

Zu viel Salz ist somit weit mehr als nur ein Problem des Blutdrucks. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass hohe Natriummengen direkt die Blutgefäße schädigen, Entzündungen fördern, die Darmflora verändern und die Arterienverkalkung beschleunigen können.

Bereits moderate Reduktionen der Natriumaufnahme können deshalb einen messbaren Beitrag zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall leisten.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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