Binge-Drinking weniger schädlich als das tägliche Glas Wein
Viele Menschen glauben, dass nur der Konsum grösserer Alkoholmengen gesundheitlich bedenklich ist, etwa das Binge-Drinking (Komasaufen), wenn also z. B. am Wochenende innerhalb weniger Stunden mehr als 5 Gläser konsumiert werden. 5 Gläser entsprechen dabei mindestens 0,6 Liter Wein, 1,8 Liter Bier oder 0,2 Liter Spirituosen.
In einer Studie zeigte sich hingegen, dass es eher der regelmässige – also mehrmals wöchentliche – Konsum ist, der mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Vorhofflimmern im Zusammenhang steht (1).
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Manchmal macht sie sich mit Herzrasen oder einem auffallend pochenden Herzschlag bemerkbar. Oft wird sie jedoch gar nicht als ein Herzproblem wahrgenommen. Man fühlt sich lediglich müde, schwindelig und leistungsschwach oder hat Schlafstörungen, Brustschmerzen und Atemnot. Vorhofflimmern erhöht ausserdem das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache.
Veröffentlicht wurde die Studie in EP Europace, einem Fachjournal der European Society of Cardiology (ESC).
Je seltener, desto besser für‘s Herz
„Häufig wird empfohlen, weniger Alkohol zu trinken, also die Menge zu reduzieren“, sagte Studienautor Dr. Jong-Il Choi vom Korea University College of Medicine in Seoul. „Unsere Studie aber lässt annehmen, dass es mindestens genauso wichtig ist, weniger OFT Alkohol zu trinken, um sich vor Herzrhythmusstörungen zu schützen.“
Schon in einer früheren Meta-Analyse stellte man eine lineare Korrelation zwischen Alkohol und Vorhofflimmern fest: Das Risiko für Vorhofflimmern stieg pro 12 g (1 Drink) pro Woche um 8 Prozent. Doch war seinerzeit noch nicht klar, was wichtiger ist: Die Gesamtalkoholmenge reduzieren (2) oder die Häufigkeit des Konsums.
Stärkster Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen: Häufigkeit von Konsum
Dr. Choi untersuchte in seiner Studie, welche Trinkform das Risiko für neu auftretende Herzrhythmusstörungen eher steigen liess: Binge-Drinking oder regelmässiger Konsum.
In seiner Analyse wurden die Daten von knapp 10 Millionen Personen ausgewertet. Sie alle hatten beim Gesundheitscheck im Jahr 2009 noch keine Herzrhythmusstörungen. Nun wurde untersucht, wer bis zum Jahr 2017 Herzrhythmusstörungen entwickelte und inwiefern sich das Trinken auf das entsprechende Risiko auswirkte. Die erste Erkenntnis war: Der stärkste Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen ist die Häufigkeit des Konsums.
Je häufiger, umso schädlicher für’s Herz
Die zweite Erkenntnis Chois war, dass die Häufigkeit des Konsums das Risiko für Vorhofflimmern unabhängig von der jeweils konsumierten Menge erhöhte. Wer sich also gelegentlich dem Komasaufen hingibt, scheint seinem Herzen weniger zu schaden als jener, der täglich sein Glas Wein trinkt.
Denn verglichen mit dem zweimaligen Trinken pro Woche erhöhte täglicher Konsum (unabhängig von der Menge) das Risiko um 41 Prozent, während einmal wöchentlicher Genuss das niedrigste Risiko barg. Interessanterweise war zwischen Vorhofflimmern und Binge-Drinking (in unregelmässigen Abständen) kein Zusammenhang auszumachen.
Da der schädliche Konsum auch zu Schlafstörungen führen kann und Schlafstörungen ebenfalls ein Risikofaktor für Vorhofflimmern darstellen, ist Trinken für das Herz gleich mehrfach schädlich.
Bester Schutz vor Herzrhythmusstörungen: Nur sehr selten Alkohol trinken
Dr. Choi rät daher: „Vorhofflimmern geht mit eingeschränkter Lebensqualität einher und kann zu einer Vielzahl an Komplikationen führen. Es ist somit besser, Herzrhythmusstörungen vorzubeugen, als anschliessend ihre Folgen therapieren zu müssen. Da Trinken ein Risikofaktor ist, den man sehr leicht selbst beeinflussen kann, sollte man nicht nur die Gesamtmenge reduzieren, sondern auch die Häufigkeit des Konsums drosseln.“
Schon in einem Review von 2016 stellten Wissenschaftler fest, dass auch tägliche kleine Alkoholmengen der Gesundheit schaden und das tägliche Glas Wein keinesfalls als gesund zu bezeichnen ist. Eher scheinen die typischen Pro-Alkohol-Studien von schlechter Qualität zu sein.