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Fallbericht - Wie sich Autismus-Symptome bessern lassen

Wir stellen einen Fallbericht von zweieiigen Zwillingen vor. Ein ganzheitlicher Ansatz führte hier zu einer deutlichen Besserung der Autismus-Symptome. Natürlich bedeutet das nicht, dass Autismus (in jedem Fall) heilbar ist, aber die Vorgehensweise der betreffenden Eltern könnte für andere ebenfalls betroffene Eltern als Orientierung dienen.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 23 März 2026
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Autismus: Symptome können verbessert werden

Immer mehr Kinder sind von Autismus betroffen. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Kinder mit Autismusdiagnose um mehr als 300 Prozent gestiegen. Die Störung ist für die Betroffenen und ihre Familien meist sehr belastend und kann in zahlreichen Lebensbereichen zu Problemen führen.

Fallberichte zeigen jedoch immer wieder, dass es Möglichkeiten gibt, Autismus-Symptome deutlich zu verbessern.

Die entsprechenden Therapien stehen dabei meist auf mehreren Säulen und umfassen Maßnahmen aus vielen Bereichen, wie Ernährung, Nahrungsergänzung, Umweltmedizin, Bewegung und vieles mehr – abhängig auch vom einzelnen Fall und dem Engagement sowie den Möglichkeiten der jeweiligen Eltern.

In unserem Hauptartikel Autismus: Symptome und mögliche Ursachen lesen Sie viele weitere Informationen rund um Autismus. Sie finden den Artikel - genau wie alle anderen, die wir hier im Verlauf des Textes nennen - ganz unten unterhalb der Kommentarfunktion.

Der Fallbericht

Anhand des vorliegenden Fallberichtes möchten wir Ihnen ein besonders umfassendes Therapiekonzept bei Autismus vorstellen (1). Zunächst jedoch die Geschichte der Familie, die zeigt, dass die Kinder nicht gerade den besten Start ins Leben hatten:

Familie, Zeugung und Geburt

Der Vater war bereits 51 Jahre alt. (Das Alter seiner Frau, also der sozialen Mutter ist nicht bekannt). Die Zeugung erfolgte durch künstliche Befruchtung von Eizellen einer Eizellspenderin. Die Embryonen wurden dann von einer weiteren Frau, einer 35-jährigen Leihmutter ausgetragen.

Die zweieiigen Zwillinge kamen im Januar 2020 zwei Monate zu früh per Kaiserschnitt zur Welt. Fünf Tage zuvor war es beim einen Kind noch zu einem Gebärmutterriss gekommen – eine Komplikation, die aufgrund schlechterer Durchblutung und veränderter Druckverhältnisse zu Versorgungsengpässen beim Kind führen, aber auch für die Mutter schwerwiegende Folgen haben kann.

Betroffen war das Kind, das ohnehin schon sehr viel leichter war als sein Geschwisterchen und später auch die ausgeprägteren Autismus-Symptome zeigte.

Die Zwillinge wogen bei der Geburt nur 1,4 und 2,3 kg und mussten die ersten 23 bzw. 21 Tage auf der Neugeborenen-Intensivstation verbringen.

Die ersten Impfungen

Im Alter von drei und sechs Monaten bekamen die Kinder die üblichen Impfungen und wurden danach, hauptsächlich aufgrund der COVID-19-Pandemie, bis zum Alter von 14 Monaten nicht weiter geimpft.

Vor und nach den beiden ersten Impfungen wurde Paracetamol verabreicht, was noch manchmal prophylaktisch so gehandhabt wird, um ein mögliches Fieber nach Impfungen zu unterdrücken.

Paracetamol kann jedoch auch die Immunantwort auf die Impfung leicht dämpfen und den Glutathionspiegel negativ beeinflussen, was die Entgiftung des Körpers hemmt (Glutathion ist maßgeblich an der Entgiftung beteiligt). Daher wird das Mittel heute nicht mehr prophylaktisch verwendet oder nur noch selten.

Gerade bei häufiger und/oder früher Anwendung steht das Mittel außerdem unter Verdacht, mit Entwicklungsstörungen assoziiert zu sein.

Konkret wird Paracetamol mit einem erhöhten Autismusrisiko in Verbindung gebracht (2) – vor allem bei wiederholter Gabe im Säuglingsalter bei fieberhaften Erkrankungen (3). Wie oft die Zwillinge das Medikament insgesamt erhielten, ist nicht bekannt - mindestens jedoch 4-mal.

Die Symptome

Schon im ersten Jahr hatten die Kinder mit gelegentlichen Durchfällen oder Verstopfung und Ekzemen zu kämpfen.

Einer der Zwillinge hatte Schwierigkeiten bei Übergängen (Situationswechseln), z. B. wird mit Unruhe oder anderen Symptomen reagiert, wenn sich eine Situation ändert bzw. wenn das Kind aus einer Situation gerissen wird. Beispiel: Es spielt gerade und soll dann aufhören, weil es Essen gibt.

Das andere Kind hatte Probleme damit, Augenkontakt zu halten. Auch kam es zu Schwierigkeiten beim Stillen.

Ein Jahr lang bekamen die Kinder Muttermilch (abgepumpte Milch der Leihmutter und Milch der Adoptivmutter (die Milchbildung wurde hormonell angeregt)). Anschließend erhielten sie Kuhmilch.

Daraufhin traten bei beiden stärkere Verdauungsbeschwerden auf, die auf eine Kuhmilchunverträglichkeit hindeuteten, u. a. weißer Stuhl, Blut im Stuhl und Erbrechen sowie Verstopfung und Durchfall.

Zusätzlich bemerkten die Eltern beim einen Kind Muskelhypotonie (keine Muskelspannung, z. B. schlaff beim Hochheben), weiterhin mangelnden Augenkontakt, Sprachverzögerung und sensorisches Verlangen.

Letzteres ist eine Störung der Sinnesverarbeitung und beschreibt ein Verhalten, bei dem ein Kind ungewöhnlich stark bestimmte Sinnesreize sucht. Also eine Art „Hunger nach Reizen“, z. B. Dinge ständig anfassen, reiben oder drücken (Tastreiz) oder Dinge ganz nah betrachten (Sehreiz).

Beim anderen Kind zeigte sich repetitives Verhalten (wenn bestimmte Handlungen/Bewegungen monoton wiederholt werden), Ängste und ebenfalls Sprachverzögerungen.

Die Kinder spielten nicht miteinander, sondern unabhängig voneinander und suchten auch nicht den Kontakt zu Gleichaltrigen.

Die nächsten Impfungen

Im März 2021 erhielten die Zwillinge eine Reihe von Nachholimpfungen, die sich aufgrund der COVID-19-Pandemie verzögert hatten.

Die Eltern bemerkten nach dieser Impfrunde eine Verschlechterung einiger Symptome, darunter einen erheblichen Sprachverlust beim einen Kind (sprach nur noch in Einzelwörtern).

Die Diagnose: Autismus Schweregrad 3

Im September 2021 wurde dann bei den nun 20-Monate-alten Kindern die DSM-5-Diagnose für Autismus-Spektrum-Störungen mit dem Schweregrad 3 gestellt.

Schweregrad 3 ist der schwerste Grad und bedeutet, „benötigt sehr erhebliche Unterstützung“ im Sinne von: Es besteht hoher Förderbedarf, um die Entwicklung zu unterstützen.

Das DSM-5 ist ein weltweit anerkanntes Klassifikationssystem für psychische Störungen, herausgegeben von der American Psychiatric Association. Die Abkürzung steht für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen).

Tests und Analysen

Ab März 2022 ließen die Eltern mehrere spezielle Labortests durchführen (auf eigene Kosten, da die Tests in den USA nicht Bestandteil der regulären medizinischen Versorgung waren – und dies auch in Deutschland nicht sind):

1. Funktionelles Genomscreening

Ein Abstrich aus der Mundschleimhaut dient zur Analyse genetischer Varianten, die Rückschlüsse auf Entgiftungsfähigkeit, Entzündungsneigung, Nährstoffverwertung oder neurologische Besonderheiten geben können.

Daraus werden dann individuelle Empfehlungen für die Ernährung und Supplementierung abgeleitet.

2. Urin-Test auf organische Säuren

Der Urin-Test auf organische Säuren (engl. Organic Acids Test, OAT) ist ein sehr etabliertes, funktionelles Diagnosetool, das über den Stoffwechselzustand im gesamten Körper Auskunft gibt.

Der Test misst organische Säuren, also Stoffwechselzwischenprodukte, die durch körpereigene Prozesse (z. B. bei der Energiegewinnung, Entgiftung oder über die Darmflora) entstehen und über die Nieren ausgeschieden werden. Insgesamt werden meist 50–70 verschiedene Substanzen analysiert.

Man erhält Hinweise auf den Zustand der Darmflora und entsprechende Fehlbesiedlungen (z. B. Candida, Clostridien), auf die Mitochondrienfunktion, auf den Zustand der Entgiftung (Glutathionstatus) und auf die oxidative Belastung.

Genauso gibt der Test Hinweise auf den Dopamin- und Serotoninstoffwechsel. Auch manche Nährstoffmängel können entdeckt werden (z. B. B-Vitamine, Magnesium, Coenzym Q10).

Alles rund um die Mitochondrien und ihre Bedeutung für unsere Gesundheit lesen Sie in unserem Artikel Wie Sie Ihre Mitochondrien stärken.

3. Urin-Test auf organische Verbindungen und Metaboliten

Dies ist ein erweiterter Urintest. Er zeigt Belastungen aus der Umwelt auf, etwa Weichmacher (Phthalate), Lösungsmittel, Pestizide oder andere Schadstoffe, die aus der Umwelt stammen und im Körper gespeichert sein können.

4. Haaranalyse auf Metalle und Mineralien

Aus dem Haar lässt sich langfristig die Belastung mit Schwermetallen wie Aluminium, Blei, Quecksilber oder auch ein Mangel oder Überschuss an manchen Mineralien wie Zink oder Selen erkennen. Dies wiederum lässt Rückschlüsse auf die Entgiftungskapazität zu.

Eine Haaranalyse ist eine der am einfachsten zu organisierenden Untersuchungen. Sie können z. B. hier einen Test für eine * Haaranalyse bestellen. Es wird auf Arsen, Aluminium, Cadmium, Quecksilber, Blei, Zirconium, Zinn und Titan untersucht.

5. Blutuntersuchung (Nährstoffe)

Bei dieser Untersuchung werden Vitamine, Spurenelemente und essentielle Fettsäuren im Blut gemessen. Das Ziel dabei ist, Defizite früh zu erkennen und gezielt auszugleichen, etwa bei Vitamin D, B12, Omega-3 oder Eisen.

6. IgG-vermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Dieser Test kann Hinweise auf chronisch-entzündliche Reaktionen oder ein Leaky Gut Syndrom (durchlässige Darmschleimhaut) geben. Beides kann von bestimmten – individuell unverträglichen – Lebensmitteln ausgelöst oder verschärft werden und u. a. Verhaltensprobleme begünstigen.

Gemessen werden sog. IgG-Antikörper. Sie weisen auf verzögerte Immunreaktionen gegen die entsprechenden unverträglichen Nahrungsmittel hin (nicht zu verwechseln mit echten Allergien vom Typ IgE).

Während man bei IgE-Immunreaktionen sofort Symptome verspürt (z. B. Atemnot nach Erdnüssen bei Erdnussallergie), zeigen sich IgG-Immunreaktionen sehr subtil mit Beschwerden, die erst einige Stunden bis Tage nach dem Verzehr auftreten.

Es zeigen sich dann z. B. Verdauungsprobleme, Hautprobleme, Gelenkbeschwerden, Kopfschmerzen oder Migräne, Müdigkeit, Erschöpfung (Fatigue) oder Konzentrationsstörungen.

Handelt es sich um Lebensmittel, die man täglich isst (Weizen, Milch, Eier, Soja, Hefe, Mais, Nüsse u. a.), dann entwickeln sich daraus chronische Beschwerden.

Viele autistische Kinder haben nachweislich Darmdysbiosen (Ungleichgewicht der Darmflora), ein Leaky Gut Syndrom und chronische stille Entzündungen.

Das kann dazu führen, dass unverdaute Nahrungsbestandteile oder Entzündungsstoffe ins Blut gelangen und Immunreaktionen (IgG) auslösen (Stichwort Darm-Hirn-Achse).

Diese Immunreaktionen wiederum können neurologische Symptome verstärken, das Verhalten beeinflussen (z. B. Reizbarkeit, Rückzug, Schlafprobleme) und Entzündungen im Nervensystem begünstigen.

Lesen Sie in unserem Artikel Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Gesundheit die Details zur Darm-Hirn-Achse. Alles rund um das Leaky Gut Syndrom finden Sie in unserem Artikel Leaky Gut Syndrom: Ursachen, Symptome und Behandlung.

7. Stuhluntersuchung auf Darmgesundheit

Hier wird der Stuhl auf Keime, Entzündungsmarker und Verdauungsrückstände untersucht. Man erhält Informationen zum Zustand der Darmflora und der Enzymtätigkeit.

Auch Entzündungen, ein Leaky Gut Syndrom sowie ein möglicher Pilz- oder Parasitenbefall lassen sich feststellen

Gerade bei Kindern mit Autismus sind die Ergebnisse hier oft auffällig.

In unseren Artikeln Autismus bessern - Darm therapieren und Regulierung der Darmflora bessert Autismus gehen wir näher auf die Zusammenhänge ein.

8. Urin-Test auf Mykotoxine

In diesem Test wird der Urin auf Schimmelpilzgifte untersucht (z. B. Aflatoxine). Dies kann einen Hinweis auf eine chronische Belastung durch Wohnraumschimmel oder kontaminierte Nahrung geben.

Diese Giftstoffe können das Nervensystem beeinträchtigen, die Entgiftung blockieren und neurologische Symptome verursachen.

Die jeweiligen Wiederholungstests wurden im Jahr 2023 durchgeführt, um Veränderungen nach den ersten Maßnahmen erkennen zu können.

Test-Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser Tests zeigten Verdauungsenzymmängel, leichte gastrointestinale Entzündungen, ein hohes Omega-6:3-Verhältnis und deutliche Nährstoffdefizite (niedrige Werte bei Vitamin C, B12 und B3, Alpha-Liponsäure und Glutathion).

Zudem wurden stark erhöhte Schimmelpilztoxinwerte gefunden, Pilzprobleme im Darm, Anzeichen einer bakteriellen Überwucherung, eine Aluminium- und Glyphosatbelastung sowie eine Empfindlichkeit/Unverträglichkeit gegenüber einigen gängigen Nahrungsmitteln.

Die Diagnose: Okulomotorische Dysfunktion

Im Frühjahr 2022 wurde eine okulomotorische Dysfunktion diagnostiziert.

Fehlender oder flüchtiger Augenkontakt bei autistischen Kindern ist nicht zwangsläufig ein Ausdruck von Desinteresse oder sozialem Rückzug. In vielen Fällen liegt hingegen eine okulomotorische Dysfunktion zugrunde – also eine Störung der Blicksteuerung, die es dem Kind erschwert, gezielt und stabil den Blick zu halten.

Eine gezielte Untersuchung der Augenmotorik ist deshalb sinnvoll. Denn liegt eine funktionelle Störung vor, (okulomotorische Dysfunktion), kann sie oft durch Visualtraining oder andere Maßnahmen deutlich verbessert werden – mit positiven Effekten auf Interaktion und Aufmerksamkeit.

Unterstützung für die Eltern

Die Eltern der Zwillinge konnten mit einem Autismus-Elterncoach zusammenarbeiten, der sie auch psychologisch unterstützte. Die Eltern wurden motiviert, sich mit der „gesamten allostatischen Last“ von Stressoren auseinanderzusetzen, die vermutlich vielen chronischen Erkrankungen zugrunde liegt.

Das Modell der gesamten allostatischen Last besagt, dass eine chronische Belastung mit physischen, psychischen oder umweltbedingten Stressoren zu einer anhaltenden Freisetzung bestimmter Botenstoffe (Entzündungsstoffe) und Hormone (Cortisol) führt, die dann zu chronischen Erkrankungen aller Art führen können.

Die Eltern bildeten sich über Literatur, Webinare und einem Elternforum stets weiter. Letzteres (Healing Together) bot einen „Fahrplan“, mit dessen Hilfe der Verlauf komplexer chronischer Gesundheitszustände wie Autismus schrittweise verändert werden kann.

Die Therapie

Die Kinder erhielten die üblichen Therapien (angewandte Verhaltensanalyse (ABA, die typischerweise bei Autismus-Spektrum-Störungen empfohlen wird) und eine Sprachtherapie.

Eines der Kinder erhielt eine osteopathische Behandlung, was deutliche Verbesserungen, insbesondere hinsichtlich der allgemeinen Stimmung und Kommunikationsfähigkeit brachte.

Zusätzlich wurden aufgrund der oben genannten Testergebnisse weitere Maßnahmen umgesetzt.

Ernährungsumstellung

Zum Zeitpunkt der Diagnose führten die Eltern eine Ernährungsumstellung durch. Sie folgten dabei der sog. Reduced Excitatory Inflammatory Diet, passten diese aber den Unverträglichkeiten der Kinder an und wurden dabei von einem Ernährungsberater begleitet.

Die Reduced Excitatory Inflammatory Diet (REID) wurde von Dr. Katherine Reid entwickelt. Ziel ist es, entzündliche und exzitatorische Nahrungskomponenten zu reduzieren, die übermäßige Glutamat‑Signale im Gehirn fördern – bei gleichzeitigem Fokus auf vollwertige, natürliche Lebensmittel.

Die wichtigsten Prinzipien dieser Ernährung sind:

1. Reichlich Gemüse (etwa 75 % Gemüse, 10 % Obst oder resistente Stärke, und maximal je 15 % Proteine und gesunde Fette – die Prozentzahl bezieht sich auf die Kalorien).

2. Verzicht auf exzitatorische Substanzen, wie Gluten, Kasein (Milcheiweiß), Soja, Mais, Zusatzstoffe wie Glutamat und Aspartam.

3. Entzündungshemmend und abwechslungsreich: Keine verarbeiteten Lebensmittel, keinen raffinierten Zucker, keine isolierten Kohlenhydrate (Weißmehl), keine entzündungsfördernden Öle (Omega 6). Stattdessen frisch, regional und ballaststoffreich kochen.

Viele Familien berichten (in Foren/Selbsthilfegruppen) bei Kindern mit Autismus von vermehrter Ruhe, geringerer Reizempfindlichkeit und besserem Schlaf, wenn diese Ernährungsform umgesetzt wird.

In unserem Artikel Wie sich Autismus von der Ernährung beeinflussen lässt erklären wir, wie gluten- und auch kaseinfreie Kost bei Autismus helfen könnten.

Tryptophanreiche Kost für mehr Serotonin

Da die Tests eine Beeinträchtigung des Serotoninstoffwechsels ergeben hatten, erhielten die Eltern die Empfehlung, die Zwillinge mit einer tryptophanreichen Diät zu ernähren, um die Serotoninproduktion zu sichern.

Als gute Tryptophanquellen gelten in der REID-Ernährung Geflügel (z. B. Huhn, Pute), Eier, Lachs, Kürbiskerne, Cashewkerne, Sonnenblumenkerne, Hirse, Amaranth und Quinoa.

Cholin- und Betain-reiche Kost für bessere Entgiftung

Auch sollten den Kindern Nahrungsmittel gegeben werden, die reich an Betain und Cholin sind – worauf die Testergebnisse hingewiesen hatten. Diese beiden Nährstoffe fördern die Entgiftung, die Nervenzellfunktion, die Gehirnentwicklung und die Neurotransmitterbildung (Serotonin, Dopamin).

Gute Quellen für Betain und Cholin sind gemäß der REID-Ernährung Eier, Leber, Rote Bete, Quinoa, Spinat, Brokkoli, Hülsenfrüchte und Fisch.

Nahrungsergänzungsmittel

Beide Kinder nahmen – je nach Testergebnis und Bedarf – verschiedene Nahrungsergänzungsmittel ein, darunter Omega-3-Fettsäuren, ein Multivitaminpräparat, Vitamin D, Carnitin, 5-Methyltetrahydrofolat (aktive Form der Folsäure) und individuell ausgewählte homöopathische Mittel sowie Igelstachelbart (ein Heilpilz) und Resolvine.

Resolvine werden normalerweise im Körper aus Omega-3-Fettsäuren (v. a. DHA und EPA) gebildet und helfen bei chronischen Entzündungen. Sie unterstützen den Körper dabei, die Entzündung aktiv zu beenden und das Gewebe zu beruhigen.

Entzündungshemmende Medikamente hingegen hemmen oder stoppen die Entzündung, manchmal auch über eine Unterdrückung des Immunsystems.

Bei Autismus liegen häufig chronisch stille Entzündungen (v. a. im Gehirn oder Darm) vor und der Organismus hat Schwierigkeiten, die Entzündungen aufzulösen. Resolvine fördern die natürliche Rückbildung dieser Entzündungsprozesse, ohne das Immunsystem zu unterdrücken.

Dass ein guter Vitamin-D- und Zink-Spiegel bei Autismus wichtig ist, beschreiben wir auch in unseren Artikeln Vitamin D bessert Autismus-Symptome und Autismus und Zinkmangel - Ein Zusammenhang?

Ergotherapie

Die Kinder erhielten eine spezielle Form der Ergotherapie, bei der frühkindliche Bewegungsmuster („Reflexe“) gezielt angesprochen und trainiert wurden. Diese Reflexe sollten eigentlich im Säuglingsalter verschwinden, was aber hier nicht der Fall war und zu einer Beeinträchtigung der Entwicklung führte.

Durch gezielte Übungen wurde das Nervensystem dabei unterstützt, diese alten Muster zu verarbeiten und besser zu regulieren. Dies kann sich positiv auf motorische Fähigkeiten, Aufmerksamkeit, Körpergefühl und Verhalten auswirken.

Baubiologische Untersuchung der Wohnung

Im Oktober 2022 wurde ein baubiologischer Umweltberater beauftragt, das Haus der Familie zu begutachten.

Der Umweltberater prüfte die Luftqualität im Haus, bewertete mögliche Anzeichen von Feuchtigkeitseintritt und identifizierte weitere potenzielle Schadstoffquellen. Die Familie erhielt hiermit Möglichkeiten, die Wohnqualität durch gezielte Maßnahmen zu verbessern.

Wie schlug die Therapie an?

Um zu sehen, wie gut die Therapie bei den Kindern anschlug, überprüfte man die aktuellen ATEC-Werte. ATEC steht für Autism Treatment Evaluation Checklist. Dabei handelt es sich um einen Eltern-Fragebogen, der den Schweregrad von Autismus-Symptomen erfassen soll.

Er misst vier Bereiche: Sprache und Kommunikation (0–28 Punkte), soziales Verhalten (0–40), Sensorik und Kognition (0–36) sowie Gesundheit und Verhalten allgemein (0–75).

Ein Gesamtwert von 0 bedeutet, dass keine Symptome vorliegen, der Höchstwert von 179 spricht für stark ausgeprägte Symptome.

Dramatische Verbesserung der ATEC-Werte

Die ATEC-Werte beider Kinder verbesserten sich dramatisch. Beim einen Kind von 76 im März 2022 auf 32 im Oktober 2023 (sie blieben dann im März 2024 relativ stabil bei 34). Beim anderen Kind verbesserten sich die Werte von 43 im März 2022 auf 4 im Oktober 2023, und blieben im März 2024 stabil bei 4.

Neben den verbesserten ATEC-Werten der Zwillinge wurden zahlreiche weitere Verbesserungen im Verhalten und Sozialverhalten festgestellt. Blickkontakt, Sprache und Aufmerksamkeit wurden immer besser. Der Kinderarzt stellte fest, dass der Zwilling mit dem besseren ATEC-Wert „eine Art Wunder“ erlebt hatte.

Klinische Untersuchung mit sehr guten Ergebnissen

Um auEine Untersuchung in der Kinderklinik ergab ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis:

Beim einen Kind gab es keine sensorischen Verhaltensweisen mehr, dafür eine gute Verhaltensregulation, Teilnahme an spontanen Spielen, zuverlässige soziale Reaktionsfähigkeit und eine altersgerechte Sprache. Übrig geblieben waren lediglich leicht repetitive Sprach- und Verhaltensmuster.

Beim anderen Kind wurde eine verbesserte Verhaltensregulation, ein zunehmendes Aufforderungsverhalten (z. B. das Geben von Gegenständen), die Teilnahme an Aktivitäten und die Verwendung neuer Phrasen festgestellt.

Es zeigte jedoch weiterhin eine reduzierte soziale Kommunikation und einige repetitive Sprach- und Verhaltensmuster.

Fazit: Bei Autismus lohnt sich ein ganzheitliches Therapiekonzept

Wie der Fallbericht zeigt, kann sich bei Autismus ein ganzheitliches Therapiekonzept sehr lohnen.

Leider sind Aufwand und Kosten der hier vorgestellten Vorgehensweise nicht von jeder Familie zu stemmen. Oft scheitert es bereits daran, nicht das passende Ärzte-, Berater- und Therapeutenteam zu finden.

Im Falle der vorgestellten Familie sagen die beteiligten Ärzte:

„Die deutliche Verbesserung der Autismusdiagnosen bei diesen zweieiigen Zwillingen zeigt das Potenzial eines umfassenden multimodalen Behandlungsansatzes, der sowohl konventionelle Therapien (z. B. ABA) als auch eine Vielzahl von personalisierten Anpassungen der Umgebung und des Lebensstils umfasst.“

Die Eltern sagen:

„Dank unseres ganzheitlichen Ansatzes haben wir die Genesung unserer Tochter miterlebt – sie präsentiert sich heute als fröhliche, engagierte, temperamentvolle und äußerst intelligente Vierjährige.
Auch unsere andere Tochter hat uns mit ihren Fortschritten immer wieder erstaunt und uns daran erinnert, dass eine Genesung im individuellen Tempo eines jeden Menschen möglich ist.“
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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