Wie Darmbakterien vor Krebs schützen
Die Darmflora besteht aus der Gesamtheit aller Bakterien im Dünn- und Dickdarm. Sie hat einen enormen Einfluss auf die Gesundheit.
So gibt es beispielsweise Bakterien, die Übergewicht fördern und solche, die Übergewicht verhindern. Auch steht eine gestörte Darmflora mit vielen Krankheiten in Verbindung, ganz gleich ob es sich um Depressionen, Autoimmunerkrankungen oder Diabetes handelt.
Forscher der University of Calfornia haben jetzt überprüft, ob und inwiefern die Darmbakterien vor Krebs schützen können. Die Ergebnisse wurden 2016 im Journal PLOS ONE veröffentlicht.
Probiotische Darmbakterien wirken entzündungshemmend
Die Wissenschaftler schrieben, dass nun Beweise für die entzündungshemmenden Eigenschaften der nützlichen Darmbakterien vorlägen und man mit Hilfe dieser Erkenntnisse künftig die Entwicklung von manchen Krebsarten verlangsamen oder gar stoppen könnte (1).
Auf diese Weise könnten Ärzte in Zukunft das Krebsrisiko einer Person reduzieren, indem sie einfach nur die Darmflora analysieren und daraufhin die passenden Probiotika verschreiben. Die Darmbakterien sind dann in der Lage, die Darmflora entsprechend neu aufzubauen oder ihre Zusammensetzung so zu ändern, dass sie positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann – so Professor Robert Schiestl, der Autor der Studie.
"Diese Massnahme ist – im Vergleich zu Operationen und Injektionen – nicht invasiv und sehr leicht umzusetzen", erklärt Schiestl.
Schädliche Darmbakterien fördern Entzündungen
Die Darmflora besteht aus etwa 10 Billionen Bakterien. Man unterscheidet zwischen guten und schlechten Bakterien: Die guten wirken unter anderem entzündungshemmend, die schlechten fördern Entzündungen.
Schiestl und Kollegen isolierten ein Bakterium namens Lactobacillus johnsonii456. Es handelt sich um eines der häufigsten Bakterien aus der Sparte der nützlichen Darmbakterien. Das Bakterium kann nicht nur in der Medizin eingesetzt werden, sondern kann auch zur Herstellung von Joghurt, Kefir, Kombucha und Sauerkraut verwendet werden.
In vorliegender Studie reduzierte das Bakterium Genschäden und ganz signifikant auch Entzündungen. Gerade Entzündungen spielen eine grosse Rolle im Alterungsprozess sowie bei vielen Krankheiten einschliesslich Krebs, neurodegenerativen Krankheiten, Herzkrankheiten, Arthritis und Lupus, so dass alle natürlichen Massnahmen willkommen sind, die Entzündungen hemmen können.
Probiotische Darmbakterien wirken Krebs entgegen
Frühere Studien von Professor Schiestl zeigten bereits erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den nützlichen Bakterien und dem Auftreten von malignen Lymphomen, einer Krebsart, die ihren Ursprung im Immunsystem hat.
Mit Hilfe der aktuellen Studie nun lässt sich erklären, wie genau die probiotischen Bakterien die Entwicklung der Erkrankung verzögern oder verhindern können und warum diese Bakterien in Form von probiotischen Nahrungsergänzungen dem Auftreten entgegenwirken.
Schiestls Untersuchungen zeigten, dass probiotische Bakterien, die entzündungshemmend wirken und als Nahrungsergänzung gegeben werden, die Entwicklung von Lymphomen verzögern.
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Probiotika verlangsamen Krebswachstum
Die Probanden waren genetisch vorbelastet, besassen also ein Krebsgen. Bei der Versuchsgruppe, die die nützlichen Bakterien nahm, dauerte es nun doppelt so lange, bis sich die Erkrankung entwickelte als bei der Gruppe, die keine Probiotika erhalten hatte.
Bei der Probiotikagruppe wurden überdies geringere Entzündungswerte gemessen und weniger Genschäden festgestellt.
Die Forscher stellten fest, dass es die Stoffwechselprodukte der probiotischen Darmbakterien waren, die krebshemmend wirkten. Auch verbesserten die probiotischen Bakterien den Fett- und Energiestoffwechsel, was ebenfalls das Risiko mindern kann.
So verwundert es nicht, dass die Probiotikagruppe letztendlich auch eine viel höhere Lebenserwartung hatte.
In der Zukunft: Darmbakterien zur Krebsprävention
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Symbioselenkung (Beeinflussung der Zusammensetzung der Darmflora) als effektive Strategie verwendet werden kann, um Krebs vorzubeugen oder die Anfälligkeit für Krebs herabzusetzen
sagen die Forscher.
Wie Sie bereits heute schon Ihre Darmflora schützen können und wie Sie – falls Sie an einer Dysbiose (Darmflorastörung) leiden sollten – eine gesunde Darmflora aufbauen können, lesen Sie hier: Neun Dinge, die Ihrer Darmflora schaden
Ob Sie an einer Dysbiose leiden, können Sie sehr einfach – und ganz ohne Arzt – mit einem Darmflora-Test feststellen. Sie senden mit diesem Test eine Stuhlprobe an das Labor und erhalten nach wenigen Tagen das Ergebnis direkt zu sich nach Hause.
* Hier finden Sie einen Darmflora-Test