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HIV – Mikronährstoffe könnten helfen

Im Verlauf einer HIV-Infektion treten auch Mikronährstoffmängel auf – meist schon im Frühstadium. Daher ist eine Supplementierung mit entsprechenden Nährstoffen wichtig. Verschiedene Studien zeigen, dass die Einnahme bestimmter Vitamine und Spurenelemente die Krankheit positiv beeinflusst und auch verzögern kann.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 12 Mai 2026
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Mikronährstoffe bessern Werte bei HIV

Mikronährstoffe sind für ein funktionierendes Immunsystem unverzichtbar. Mängel hingegen schwächen die körpereigene Abwehr deutlich.

Bei HIV treten Mängel oft schon im Frühstadium auf, also bereits vor dem Auftreten von Krankheitssymptomen. Mikronährstoffmängel stehen daher mit einem beschleunigten Fortschreiten der HIV-Erkrankung in Verbindung (wenn keine antiretrovirale Therapie (ART) zum Einsatz kommt).

Die gezielte Gabe von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kann daher den Verlauf der Infektion günstig beeinflussen – auch parallel zu einer ART.

Mikronährstoffe bei HIV: In allen Stadien sinnvoll

In zahlreichen klinischen Studien konnte die Gabe von Mikronährstoffen wichtige Marker des HIV-Verlaufs (CD4-Zellzahl, HIV-Viruslast) und die Sterblichkeit (Mortalität) verbessern. Wir stellen einige dieser Studien nachfolgend vor:

CD4-Zellzahl steigt

In einer Untersuchung mit 40 HIV-Patienten, die an Neuropathie litten, sich in einem fortgeschrittenen Stadium befanden und eine ART erhielten, verbesserte die Gabe von Multivitaminen und Mineralstoffen im Vergleich zu Placebo über drei Monate die CD4-Zellzahl signifikant (1).

CD4-Zellen sind Abwehrzellen (T-Helferzellen) des Immunsystems. HIV zerstört diese Zellen. Je mehr CD4-Zellen man hat, desto stärker ist das Immunsystem. Je weniger man hat (im Falle einer HIV-Infektion), umso näher ist man an AIDS-typischen Erkrankungen (wenn die HIV-Infektion also ins AIDS-Stadium übergeht). Gesunde Menschen haben einen Wert von 500-1500 µg/l.

Eine placebokontrollierte Studie mit 471 HIV-Patienten mit Lungentuberkulose zeigte dank Mikronährstoffeinnahme ein verringertes Risiko für ein Tuberkulose-Rezidiv, eine erhöhte CD4-Zellzahl und eine geringere Inzidenz peripherer Neuropathie (2).

Die bisher größte Studie zur Mikronährstoffsupplementierung ohne antiretrovirale Therapie (ART) umfasste 1078 schwangere Frauen mit HIV-Subtyp C in Tansania (3). Die Multivitaminsupplementierung verbesserte im Vergleich zu Placebo die CD4-Zellzahl und das Gesamtüberleben nach sechs Jahren Nachbeobachtung signifikant. Die Frauen befanden sich in unterschiedlichen Stadien der HIV-Erkrankung und hatten keinen Zugang zu einer ART.

Sterblichkeit sinkt

Die Gabe von Mikronährstoffen an 481 Patienten mit HIV-Subtyp E ohne Zugang zu einer ART in Thailand reduzierte die Mortalität, jedoch nur bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium mit einer CD4-Zellzahl unter 100/µl (4).

Bei 213 HIV-Patienten, die eine Lungentuberkulose hatten, führte die Einnahme von Multivitaminen und Mineralstoffen im Vergleich zu Placebo zu einer signifikanten Gewichtszunahme und einer reduzierten Mortalität (5).

HIV-Viruslast wird reduziert

Die alleinige Supplementierung mit Selen über 9 Monate reduzierte im Vergleich zu Placebo die HIV-Viruslast signifikant und verbesserte indirekt die CD4-Zellzahl bei Drogenkonsumenten mit HIV (6). Viele erhielten parallel eine antiretrovirale Therapie (ART).

Diese Studien belegen einen eindeutigen Nutzen der Mikronährstoffsupplementierung für den Verlauf der HIV-Erkrankung, insbesondere für die CD4-Zellzahl und das Überleben in späten Stadien der HIV-Infektion – oft unabhängig davon, ob die Patienten eine ART erhielten oder nicht.

Da viele der genannten Studien entweder im fortgeschrittenen Stadium der HIV-Erkrankung oder an Schwangeren durchgeführt wurden, stellen wir nachfolgend eine Studie mit nicht-schwangeren Patienten im HIV-Frühstadium vor (7).

Mikronährstoffe im Frühstadium verlangsamen HIV-Verlauf

An einer placebokontrollierten Doppelblindstudie nahmen 878 Patienten mit HIV vom Subtyp C teil. Es ist der häufigste Subtyp weltweit; in Europa ist jedoch Subtyp B weiter verbreitet. Die Teilnehmenden waren im Frühstadium, hatten also noch keine ART erhalten. Ihre CD4-Zellzahl lag noch bei über 350/µl.

Die Patienten nahmen 2 Jahre lang täglich entweder ein Multivitaminpräparat (B-Vitamine sowie Vitamin C und E) oder ein Selenpräparat oder beides zusammen. Zusätzlich gab es eine Placebogruppe.

Das Multivitaminpräparat enthielt Vitamin B1 (20 mg), Vitamin B2 (20 mg), Vitamin B3 (100 mg), Vitamin B6 (25 mg), Vitamin B12 (50 µg), Folsäure (800 µg), Vitamin C (500 mg) und Vitamin E (30 mg). Selen wurde in einer Dosis von 200 µg gegeben.

Teilnehmer, die das kombinierte Multivitamin-Supplement plus Selen erhielten, zeigten im Verlauf der Studie (im Vergleich zu Placebo) ein signifikant niedrigeres Risiko, eine CD4-Zellzahl von 250/µl oder weniger zu erreichen.

Gleichzeitig reduzierte die Kombination auch das Risiko für weitere Anzeichen des Krankheitsfortschritts, einschließlich AIDS-typischer Erkrankungen oder einem AIDS-bedingten Tod.

Auf die HIV-Viruslast hatte die Nahrungsergänzung in dieser Studie jedoch keinen Einfluss. Nebenwirkungen gab es keine.

Ein Multivitaminpräparat in ganz genau der o. g. Zusammensetzung ist uns leider nicht bekannt. Ähnlich zusammengesetzt ist dieser * B-Komplex. Zusätzlich müsste dann noch mehr * Folsäure (weitere 400 µg) sowie Vitamin C und Vitamin E eingenommen werden.

Fragen Sie am besten Ihren Arzt, welches Produkt er empfiehlt.

Da Vitamin-E-Präparate oft sehr hochdosiert sind (180-270 mg), könnte man täglich 1 TL Weizenkeimöl einnehmen, der in etwa 25-40 mg natürliches Vitamin E liefert.

Wie wirken die Mikronährstoffe bei HIV?

Man geht davon aus, dass die eingesetzten Mikronährstoffe das Immunsystem über ihre antioxidativen und immunstimulierenden Eigenschaften stärken.

Vitamin C und die B-Vitamine sind für viele Immunfunktionen und damit für ein reaktionsfähiges Immunsystem essenziell. Ein entsprechender Mangel geht daher mit einem eingeschränkten Abwehrsystem einher.

Auch Selen ist für ein funktionierendes Immunsystem unverzichtbar. Ein Selenmangel führt zu einer Beeinträchtigung der Immunfunktion. Nimmt man dann Selen ein, wird die Immunaktivität wiederhergestellt oder gesteigert.

Konkret bei HIV erhöht ein Selenmangel das Risiko der HIV-bedingten Sterblichkeit. Man vermutet, dass Selen eine wichtige Rolle bei der Verhinderung der HIV-Replikation spielt.

* Hier finden Sie ein Selenpräparat mit 200 µg pro Tagesdosis (organisches Selen, so dass Sie es gut mit Vitamin C kombinieren können, was bei Natriumselenit nicht der Fall wäre).

Heute: Leitlinien halten Mikronährstoffe für überflüssig

Da eine unkontrollierte HIV-Replikation bereits in frühen Stadien der HIV-Infektion zu Immunaktivierung und Entzündungen führt, kamen früher in manchen Regionen die beschriebenen Mikronährstoffe als alternative Interventionen zum Einsatz – insbesondere wenn eine ART nicht verfügbar war (sie war früher u. a. abhängig von einem bestimmten CD4-Wert).

Heute ist der Beginn der ART nicht mehr von einer bestimmten CD4-Zahl abhängig. Empfohlen wird seit 2016 ein ART-Start unmittelbar nach der Diagnose.

Laut der internationalen HIV-Leitlinien sind inzwischen auch weder die Gabe von Mikronährstoffen noch die Überprüfung des Mikronährstoffstatus vorgesehen. Unter wirksamer ART würde sich das Immunsystem ohnehin regulieren, so dass es bei guter Ernährung nicht zu Mängeln komme.

Daher werden Mikronährstoffwerte nur dann bestimmt, wenn ein konkreter Verdacht auf einen Mangel besteht (wenn die Person also bereits Mangelerscheinungen zeigt).

Fazit: Mikronährstoffe bei HIV sinnvoll

Vielen Menschen – ob mit oder ohne HIV – gelingt es nicht, sich täglich optimal zu ernähren. Zudem zeigen die oben vorgestellten Studien auch trotz ART positive Wirkungen durch Mikronährstoffgaben. Es wäre daher sinnvoll, regelmäßig den Versorgungsstatus zu überprüfen und Mängel – bevor sie symptomatisch werden – zu verhindern.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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