Immer mehr Menschen reduzieren ihren Fleischkonsum
Immer mehr Menschen leben vegetarisch oder vegan, allein in Deutschland sollen es inzwischen über 1,5 Millionen sein (2), die sich für eine pflanzenbasierte Ernährung entschieden haben. Die drei Hauptgründe für eine solche Ernährung sind: Gesundheit, Umweltschutz und Tierschutz.
Dass eine solche Ernährung praktizierter Tierschutz ist, muss nicht weiter erläutert werden. Auch der schädliche Einfluss der Fleischproduktion auf die Umwelt ist längst bekannt, so dass andere Ernährungsformen als deutlich umweltfreundlicher gelten.
Und in Sachen Gesundheit zeigen inzwischen zahlreiche Studien, wie vorteilhaft sich eine vegetarische oder vegane Ernährung auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit, das Gewicht, den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel und auch auf das Krebsrisiko auswirkt.
Dennoch gibt es natürlich immer noch viele Menschen, die finden, ohne Fleisch ist eine Mahlzeit unvollständig. Wie könnte man den Verzehr reduzieren, ohne dass solche Menschen den Eindruck bekommen, auf irgendetwas verzichten zu müssen?
Informationen genügen oft nicht für eine Verhaltensänderung
Eigentlich sollte man meinen, dass die meisten Menschen automatisch weniger davon essen, sobald man sie mit ausreichend Informationen zu den Nachteilen des Fleischverzehrs versorgt (1).
In einer Studie jedoch, die im Oktober im International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity veröffentlicht wurde, hatte sich ergeben, dass allein die Aufklärung über die vorteilhaften Auswirkungen eines geringeren Verzehrs auf die Gesundheit und Umwelt bei den meisten Menschen eben nicht zu kleineren Fleischportionen führt.
Gehirnkapazitäten reichen zum bewussten Einkauf oft nicht aus
Das mag daran liegen, dass die wenigsten Menschen beim täglichen Lebensmittelkauf sorgfältig die Vor- und Nachteile der einzelnen Lebensmittel abwägen, bevor sie zum Kauf schreiten. Forscher glauben, dass meist gar nicht genügend Gehirnkapazitäten vorhanden seien, um bei jedem Lebensmittel rationale Entscheidungen treffen zu können.
Wenn man sich also zwischen einem Schinken- und einem Hummus-Sandwich entscheiden muss, dann ist die Wahrscheinlichkeit bei den allermeisten Menschen gering, dass sie diese Entscheidung auf Basis des kürzlich gelesenen Klimaberichtes fällen werden.
Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass sie – ohne grossartige Überlegungen oder Abwägungen – einfach das nehmen, was sie schon immer gekauft haben oder das, was die Werbung rät oder auch das, was eben alle anderen nehmen.
Im September 2018 veröffentlichten Forscher der Universitäten Oxford, Cambridge und Düsseldorf eine Studie, in der sie verschiedene Möglichkeiten untersuchten, die zu einem geringeren Fleischverzehr führen könnten, ohne dass sich die Verbraucher zu einem solchen entscheiden müssten. Der Konsum könnte somit reduziert werden, ohne dass es den Verbrauchern bewusst werden würde (11).
* Hier finden Sie unsere Kochschule mit den veganen Kochkursen
Kleinere Portionsgrössen bei Fleischgerichten oder Wurstwaren
Wenn Lebensmittelhersteller oder Restaurantbetreiber beispielsweise die Portionen der üblichen Fleischprodukte unmerklich verringerten, würde dies den Konsum deutlich reduzieren.
In einer passenden Studie von 2017 zeigte sich, dass man Portionen um durchschnittlich 28 g kleiner servieren kann, ohne dass es auffallen würde.
Eine andere Studie ergab, dass der Konsum um 13 Prozent rückläufig wäre, wenn Würstchenhersteller die Grösse ihrer Würstchen entsprechend reduzieren würden.
Natürlich kann diese Massnahme auch im Haushalt umgesetzt werden. Das für den Einkauf und die Mahlzeitenzubereitung verantwortliche Familienmitglied serviert künftig kleinere Portionen und kauft Würstchen, die etwas kleiner sind als üblich. Niemand muss dabei auf den gewohnten Fleischanteil verzichten – und der Konsum kann dennoch insgesamt verkleinert werden.
Gemüse in den Vordergrund rücken
Auch kommt es sehr darauf an, wie einfach es für den Restaurantgast ist, pflanzliche Menüs auf der Karte zu finden. So hat sich in einer Untersuchung gezeigt, dass Gerichte eher gewählt werden, wenn sie weiter vorn in der Speisekarte stehen. Selbst eine exklusive vegetarische Speisenauswahl wird hingegen kaum beachtet, wenn sie ganz hinten in der Karte aufgeführt wird.
Schreibt man jedoch die Fleischgerichte auf eine separate Tafel und gibt in der Speisekarte nur pflanzenbasierte Gerichte an, dann werden diese mit vierfach höherer Wahrscheinlichkeit gewählt als eine fleischhaltige Alternative (3) – wie eine Studie von 2012 ergab.
Fleisch im Hintergrund positionieren
Wenn in einer Kantine, der Mensa oder in einem Selbstbedienungsrestaurant erst die Gemüsegerichte aufgereiht werden und am Schluss die Fleischgerichte, dann werden die Veggie-Speisen – laut einer Untersuchung von 2018 – auch häufiger gewählt. Eine solche Büffetanordnung zeigte in einer kleinen Studie, dass sich damit der Verzehr um bis zu 20 Prozent reduzieren lassen kann.
4. An die Herkunft erinnern
Erinnert man Menschen daran, woher das Fleisch auf ihrem Teller stammt, führt auch dies zu einem verminderten Verzehr. Forscher konnten in einer Studie von 2018 zeigen, dass Menschen eher nach einem Gemüsegericht Ausschau hielten, wenn beispielsweise der Schweinekopf gemeinsam mit dem Schweinebraten in der Auslage liegt.
5. Köstliche fleischfreie Rezepturen servieren
Natürlich sollte man ausschliesslich sehr wohlschmeckende vegetarische oder vegane Gerichte anbieten und diese stets besonders appetitlich präsentieren. In einer Studie von 2012 zeigte sich, dass doppelt so viele Menschen ein fleischfreies Gericht wählten, wenn man dieses besonders schön dekorierte und anrichtete.
Auch diese Massnahme kann selbstverständlich im Privathaushalt umgesetzt werden, indem man sich für die Gemüsegerichte besonders viel Mühe gibt.
Sie finden nachfolgend köstliche Ideen für vegane Gerichte aus unserem ZDG-Kochstudio. Wir haben diese extra so ausgewählt, dass sie teilweise an die Optik traditioneller Fleischgerichte erinnern:
- Unser Festtagsbraten: Filet Wellington vegan
- Vegane Hähnchenschenkel
- Cordon bleu: vegan aus Wirsing
- Kohlrabi-Schnitzel in Nusspanade mit Remoulade
Leckere vegane Gerichte in unseren Kochbüchern
* Wir haben inzwischen mehrere Kochbücher und Kochkurse mit unseren Köchen entwickelt, die sehr schmackhafte Rezepte enthalten und vegan sind. Sie werden zu keiner Zeit etwas vermissen, wenn Sie diese Gerichte essen:
- Unser basenüberschüssige Kochbuch
- Kochkurs Schnelle Gerichte
- Aufgetischt - 77 vegane Rezepte vom ZDG
- Gesunde Ernährungspläne
Kochen Sie sich gesund und unterstützen Sie unsere Arbeit, indem Sie uns vertrauen und eines oder mehrere dieser Kochbücher bestellen. Sie werden viel Freude damit haben.
Appell an die Lebensmittelindustrie und Gastronomie
Um den Konsum zu reduzieren, braucht es also gar nicht unbedingt die entsprechende Entscheidung und Bewusstwerdung des einzelnen Menschen, obgleich dies natürlich sehr wünschenswert wäre.
Gerade der Lebensmittelindustrie und der Gastronomie stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, die Ernährungsgewohnheiten zu beeinflussen und so auch den Konsum tierischer Produkte zu drosseln – völlig unbemerkt vom Verbraucher.