Probiotika bei Antibiotikatherapie
Bei Probiotika handelt es sich um probiotische Präparate, die eine Mischung nützlicher Darmbakterien enthalten (verschiedene Laktobakterien- und Bifidobakterienstämme) und zur Regulierung der Darmflora eingenommen werden.
Besonders während und nach einer Antibiotikatherapie wird die Einnahme von probiotischen Präparaten empfohlen, da sie die Gefahr antibiotikabedingter Durchfälle verringern und die Darmflora vor der zerstörerischen Wirkung der Medikamente schützen.
Probiotika verringern Bedarf an antibakteriellen Medikamenten
Im Herbst 2018 erschien eine Studie, die zeigte, dass probiotische Präparate – wenn sie regelmäßig als Nahrungsergänzung eingenommen werden – offenbar so gut vorbeugend wirken, dass man gar nicht erst so häufig oder so stark erkrankt, um ein Antibiotikum nehmen zu müssen (1).
Die beteiligten Forscher stammten aus den USA, den Niederlanden und England. Sie werteten 12 Studien aus und stellten fest, dass Kleinkinder und Kinder um 29 Prozent seltener ein Antibiotikum brauchten, wenn sie regelmäßig als tägliche Nahrungsergänzung probiotische Präparate erhalten hatten.
Noch deutlicher zeigte sich dieser Vorteil von Probiotika, wenn aus den 12 ausgewählten Studien nur die qualitativ besten analysiert wurden. Dann brauchten die Kinder gar um 53 Prozent seltener ein Antibiotikum. Ihre Ergebnisse, die sie im Herbst 2018 im European Journal of Public Health veröffentlichten, bezeichnen die Wissenschaftler als äußerst faszinierend.
Professor rät: Probiotikum vorbeugend nehmen
„Unsere Studie zeigt somit eine Möglichkeit, wie wir künftig den Einsatz von antibakteriellen Medikamenten reduzieren können, nämlich indem man regelmäßig ein Probiotikum nimmt“, sagt Studienleiter, Dr. Daniel Merenstein, Professor an der Georgetown University School of Medicine.
Gemäß der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde (Centers for Disease Control and Prevention (CDC)) gibt es etwa zwei Millionen Fälle pro Jahr mit antibiotikaresistenten Infektionen, die letztendlich in 23.000 Fällen zum Tode führen.
Die Gefahr von Antibiotikaresistenzen kann am allerbesten bekämpft werden, wenn der Einsatz dieser Medikamente immer weiter gedrosselt wird.
Mit Probiotika weniger Infektionen und weniger Antibiotika
„Längst liegen uns Belege dafür vor, dass probiotische Präparate das Auftreten, die Dauer und den Schweregrad verschiedener Arten von Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten reduzieren können“,
sagt Merenstein.
„Jetzt wissen wir zusätzlich, dass dies auch mit einem verringerten Bedarf an Antibiotika einhergeht. Wir benötigen nun weitere Studien in verschiedenen Altersklassen, besonders bei den älteren Menschen, damit wir sehen, ob ein dauerhafter Einsatz von Probiotika mit einer verringerten Zahl der Antibiotikaverschreibungen im Zusammenhang steht. Wenn das der Fall sein sollte, dann könnte dies enorme Folgen für den Einsatz von probiotischen Präparaten in der Allgemeinmedizin mit sich bringen“
sagt Studienautorin Dr. Sarah King, Cambridge/UK.
Wie Probiotika Infekte bekämpfen helfen
Wie genau ein Probiotikum dabei helfen kann, Infekte zu bekämpfen, besonders jene in den Atemwegen und im Verdauungssystem, ist nach wie vor nicht wirklich geklärt. Vermutet werden unterschiedliche Mechanismen, so Merenstein.
Einerseits produzieren probiotische Präparate Stoffe, die eine hemmende Wirkung auf Krankheitserreger haben. Andererseits gelten sie als Regler des Immunsystems, sie regulieren und stärken das Immunsystem, was dazu führt, dass der Körper nun viel besser in der Lage ist, eigenständig Krankheiten zu bekämpfen.
„Da ein Großteil des menschlichen Immunsystems im Verdauungstrakt ansässig ist, gehen wir davon aus, dass die Einnahme nützlicher Darmbakterien die schädlichen Bakterien verdrängen kann. Das wiederum entlastet das Immunsystem, so dass sich dieses nun verstärkt anderen Bedrohungen widmen kann”, erklärt Merenstein.
Welche Wirkungen ein Probiotikum bei Kindern haben kann und wie man die Darmflora bei Kindern aufbaut, erklären wir in unserem Artikel Darmflora bei Kindern aufbauen.