Laut Virologe: Schutzwirkung der Impfung nach wenigen Monaten fast bei Null
Erst hieß es, uns drohe eine Pandemie der Ungeimpften. Dann sprach der renommierte Arzt, Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé in einem Interview mit ntv am 23. Oktober 2021 von einer Pandemie der Geimpften ( 9 ).
Das Problem ist die Schutzwirkung der Impfstoffe, die man überschätzt hatte.
Wenige Tage später, am 2. November 2021, sagte Kekulé in seinem Podcast bei MDR aktuell auf die Frage, warum es bei den Geimpften derzeit so viele Impfdurchbrüche gäbe: „Bei Johnson & Johnson und AstraZeneca ist die Schutzwirkung einige Monate nach der Impfung so miserabel, dass man sie fast bei Null ansetzen kann (2), nach den allerneuesten Daten.“ Auch sei die Dunkelziffer derjenigen sehr hoch, die trotz Impfung erkranken.
„Impfschutz ist unvollständig und wird immer schlechter“
Der Impfschutz sei sehr unvollständig und werde auch ständig schlechter, so Kekulé. Der Virologe, der an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg das Institut für Mikrobiologie leitet, sagte:
„Wir haben zwei Effekte. Das Eine ist, dass – insbesondere bei alten Menschen – die Impfung eben unvollständig wirkt, auch bezüglich Verhinderung von Todesfällen.
Also, insofern muss man es ein bisschen relativieren, was Herr Mertens von der STIKO gesagt hat, dass die Impfung bei Todesfällen so gut schützt. Nein, das sehen wir eben gerade, dass eben auch Geimpfte jetzt immer häufiger auf den Intensivstationen liegen und auch sterben. Zweitens haben wir wirklich – das ist inzwischen belegt – diesen Effekt, dass zumindest nach sechs Monaten, zumindest bei älteren Menschen, der Impfschutz langsam nachlässt.“
Kekulé bezieht sich dabei auf eine schwedische Studie der University of Umea (1), die am 25. Oktober 2021 veröffentlicht wurde. In dieser Studie wurden die Daten von 842.974 Geimpften mit denen einer gleichen Zahl Ungeimpfter verglichen. Die Geimpften hatten 2 Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca, von Moderna oder von Pfizer-BioNTech erhalten.
Untersucht wurde nun das Auftreten von symptomatischen Infektionen sowie von schweren Covid-19-Verläufen (Hospitalisierung und Tod innerhalb von 30 Tagen nach bestätigter Infektion) im Zeitraum vom 12. Januar bis zum 4. Oktober 2021.
Studie: Nach 7 Monaten kein messbarer Schutz vor Infektionen mehr
Die Schutzwirkung des Pfizer-BioNTech-Impfstoffs nahm (laut der schwedischen Studie) in Bezug auf eine Infektion kontinuierlich von 92 Prozent (ganz am Anfang, zwischen Tag 15 und 30) auf 47 Prozent zwischen Tag 121 und 180 ab.
Von Tag 211 an konnte keine Wirksamkeit (kein Schutz vor Infektionen) mehr beobachtet werden. Mit Tag 211 beginnt der 8. Monat.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Studie zwischen dem Schutz vor Infektionen und dem Schutz vor schweren Krankheitsverläufen unterscheidet. Letzterer kann laut den Daten länger anhalten.
Die Wirkung des Moderna-Impfstoffes nahm etwas langsamer ab und wird auf 59 Prozent ab Tag 181 geschätzt. Mit Tag 181 beginnt der 7. Monat.
AstraZeneca: Nach 4 Monaten erhöhtes Covid-Risiko
Der Impfschutz des AstraZeneca-Impfstoffes war im Allgemeinen noch niedriger als der von Pfizer-BioNTech und schwand auch zügiger. Hier wurde schon ab Tag 121 keine Schutzwirkung mehr beobachtet.
Im Gegenteil, die schwedischen Forscher geben ab diesem Zeitpunkt einen Wert von -19 Prozent an. Was das Minus bedeutet, erklärt Professor Kekulé:
„Richtig abgeschmiert hat AstraZeneca hier. Aber das wird in Deutschland ja nicht mehr verwendet. Und da habe ich mich ja auch schon geäußert, dass ich finde, dass die eine dringende Auffrischung brauchen. Da ist es sogar so, dass schon nach vier Monaten die AstraZeneca-Geimpften keinen Impfschutz, sondern statistisch gesehen minus 19 Prozent haben. Das heißt, dass sie sogar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, symptomatisch Covid zu bekommen.“
Geimpfte verhalten sich unvorsichtiger
Die Erklärung des Virologen für das erhöhte Krankheitsrisiko der AstraZeneca-Geimpften lautet folgendermaßen: „Das ist natürlich deshalb, weil jemand, der geimpft ist, sich statistisch gesehen unvorsichtiger verhält. Der ändert sein Verhalten. Und wenn Sie das vergleichen mit jemandem, der ungeimpft ist, der dann vielleicht noch Maske hat und immer regelmäßig Tests macht (Stichwort 3G) der hat eben dann tatsächlich seltener Covid am Schluss als ein Geimpfter, der glaubt, er wäre geschützt. Und das ist bei den AstraZeneca-Leuten wohl der Fall gewesen.“
Schwedische Studie: nicht überprüft, dennoch hochwertig
Die schwedische Studie ist eine vorläufige Studie, die auf der Plattform Preprints to The Lancet veröffentlicht wurde. Das heißt, sie wird deshalb online gestellt, damit sie von der Fachwelt diskutiert werden kann.
Sie ist jedoch noch nicht in einem Peer-Review-Verfahren begutachtet worden. Professor Kekulé erwähnt dies nicht.
Er nennt das Setting (Anm. ZDG-Redaktion: Vorgehensweise in der Studie und Aufbau der Studie) „super“ und sagt: „Gehört in die Kiste der sogenannten Beobachtungsstudien. Ist also keine richtig geplante, experimentelle Studie, aber in dem Fall sehr, sehr leistungsfähig. Weil die Zahl so groß ist, weil man dann auch die Störfaktoren ganz gut rausrechnen kann – wie Alter, die Region, wo jemand lebt usw.
Wenn man so viele hat und für jeden dann einen gematchten, einen passenden, nicht geimpften Fall hat. Der andere Vorteil ist: Die hatten eben in Schweden alle möglichen Impfstoffe (AstraZeneca, BioNTech und Moderna) und haben dann geguckt: Volle Impfung gegen ungeimpft.“
Nachlassender Impfschutz auch für Virologen eine Überraschung
Der MDR-Moderator Camillo Schumann meint zu den Studienergebnissen: „Dass die Wirkung der Impfung nicht bei allen Menschen gleich lang und gleich stark ist, das war ja zu erwarten. Aber: Dass der Impfschutz nach schon sieben Monaten gar nicht mehr da ist, hat dann doch sehr überrascht.“ Und Kekulé bestätigt: „Ja, also, das ist natürlich für mich jetzt auch überraschend gewesen…[…].“
Juni 2021: Impfstoffe schützen jahrelang, Booster nicht nötig
Studien (z. B. jene, die Ende Juni 2021 im renommierten Fachjournal Nature veröffentlicht wurde (4) gaben an, die Impfstoffe von Pfizer-BioNTech und Moderna würden eine so anhaltende Immunreaktion im Körper verursachen, dass sie vermutlich über Jahre hinweg vor Corona schützen würden.
Auch würden die meisten mit mRNA-Impfstoffen geimpften Leute keine Booster-Impfungen mehr brauchen (zumindest nicht was die bekannten Varianten betrifft – Delta war seinerzeit schon bekannt). Und Leute, die bereits genesen waren und sich dann noch impfen lassen, wären höchstwahrscheinlich sogar ein Leben lang geschützt, bräuchten also nie wieder eine Auffrischung.
Auch Virologe Christian Drosten meinte im August, dass für die meisten Geimpften im Herbst keine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus nötig sei (11). Denn, so Drosten: „Die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“.
November 2021: Booster für alle, weil Impfschutz nicht ausreichend
Am 5. November 2021 rief Bundesgesundheitsminister Jens Spahn alle Menschen ab 12 Jahren zur Booster-Impfung auf. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder rät zur Auffrischungsimpfung für alle! (12)
Und Drosten gibt bekannt (ohne darauf hinzuweisen, dass er sich vor ein paar Wochen geirrt hatte): „Was man jetzt noch machen könnte, wäre, mit großem Elan eine Booster-Aktion durchzuführen, eine Kampagne für Drittimpfungen bei allen, die jetzt schon geimpft sind, beginnend bei den Alten. Damit würde man wahrscheinlich zumindest für die Dauer des Winters den Herdenschutz gewährleisten.“ (15)
Herdenimmunität wird nie eintreten
Anfangs erklärten die Fachleute des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums, es werde eine Herdenimmunität eintreten, wenn sich ein Großteil impfen lasse. Die damals angegebene Impfquote ist erreicht, eine Herdenimmunität ist dennoch nicht vorhanden.
Professor Kekulé erklärt: Auf eine Herdenimmunität brauchen wir nicht zu hoffen, was auch nichts mit den Ungeimpften zu tun habe, sondern offenbar mit den Coronaviren an sich, so dass man von der Impfung allenfalls etwas schwächere Verläufe und weniger Todesfälle erwarten könne.
Welche Rolle spielen Geimpfte bei der Übertragung?
Wenn nun also der Impfschutz der Corona-Impfung nach teilweise 4 bis maximal 7 Monaten gen Null geht, bedeutet das, dass Millionen Menschen, die sich im Frühjahr impfen ließen, seit einiger Zeit ungeschützt z. B. 2G-Partys besuchen und bei 3G-Veranstaltungen u. a. eine Gefahr für Ungeimpfte darstellen.
Denn Letztere müssen sich bei 3G testen lassen. Die Geimpften aber mussten sich bislang nicht testen lassen, obwohl sie Ungeimpfte anstecken könnten.
Grundlage für 2G und 3G beim RKI verschwunden
Wie der Journalist Boris Reitschuster auf seinem Blog bekannt gibt, konnte man bis einschließlich 1. November 2021 beim RKI noch das Folgende lesen: „Aus Public-Health-Sicht erscheint durch die Impfung das Risiko einer Virusübertragung in dem Maß reduziert, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr spielen.“(7)
Dieser Satz ist nun nicht mehr zu finden – und das, wo er doch die Basis für 2G, 3G und die Überlegungen für 1G darstellte. Spielen Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung also doch eine Rolle?
In einer Studie vom 15. Oktober 2021 heißt es beispielsweise, dass AstraZeneca-Geimpfte nach 12 Wochen genauso ansteckend sein können wie Ungeimpfte. Ähnlich, auch wenn nicht ganz so drastisch, wuchs auch die Infektiosität der mit Pfizer-BioNTech Geimpften im Laufe der Monate nach der Impfung.
Die Viruslast sei bei den Geimpften genauso hoch wie bei den Ungeimpften, auch wenn die Zeit der Virenausscheidung bei den Geimpften reduziert sein könnte (13).
Fazit: Schutzwirkung der Impfstoffe wurde überschätzt
Laut Boris Reitschuster wurden auch folgende Aussagen von der Seite des RKI gestrichen:
"Die Impfung hat eine hohe Schutzwirkung (mindestens 80%) gegen schweres COVID-19, unabhängig vom verwendeten Impfstoff (Comirnaty von BioNTech/Pfizer, Spikevax von Moderna, Vaxzevria von AstraZeneca).
Die derzeitige Datenlage zeigt darüber hinaus, dass die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff wie auch mit mRNA-Impfstoffen zu einer deutlichen Reduktion der SARS-CoV-2-Infektionen (symptomatisch + asymptomatisch) führt (Schutzwirkung etwa 80-90% nach der 2. Impfstoffdosis)."
Die Absätze wurden gestrichen, weil die Aussagen auf Grundlage neuer Daten später angepasst wurden (16). Dabei hatte Frau Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert am 3.11.2021 bei der Bundespressekonferenz noch gesagt: „Das Impfen ist sicher; es ist wirksam; es ist milliardenfach praktiziert… Ich finde, dass man sich an diese Grundwahrheit noch einmal erinnern muss.“
Update 12.4.2026
Der Artikel wurde nachträglich sprachlich präzisiert und an mehreren Stellen differenzierter formuliert.