Vitamintabletten angeblich ohne Nutzen
Immer wieder wird über Studienergebnisse berichtet, die zeigen, dass Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Vitamintabletten oder auch Calciumpräparate keinen besonderen Nutzen haben.
Meist verwenden die jeweiligen Redakteure rasch die entsprechende Pressemeldung und schon ist wieder ein Artikel online, der gesundheitsbewusste LeserInnen verwirrt.
Ein Beispiel ist die Berichterstattung über Metaanalyse von Wissenschaftlern der University of Toronto aus dem Jahr 2018. Die Untersuchung wurde im Journal of the American College of Cardiology vorgestellt. Darin hatten die Forscher bestehende Metaanalysen und Reviews sowie einzelne randomisierte kontrollierte Studien zum Thema Vitamintabletten ausgewertet.
Die Wirkung wird nur auf Herz und Todesrisiko untersucht
Man wolllte in dieser Analyse herausfinden, inwiefern bestimmte Vitamintabletten bzw. Nahrungsergänzungsmittel Herz-Kreislauferkrankungen und das Risiko eines vorzeitigen Todes beeinflussen könnten.
Es wurden also nur diese zwei Aspekte untersucht. In den Medien aber konnte man lesen: „Keine Vorteile durch die Einnahme von Nahrungsergänzungen (2)“ – eine etwas sehr weit hergeholte Aussage, da die Auswirkungen auf andere Krankheiten, auf die Schlaf- und Lebensqualität oder auf die Fitness der Leute, die die Vitamintabletten nahmen, nicht berücksichtigt wurden.
Welche Nahrungsergänzungen erhöhen das Risiko eines vorzeitigen Todes?
Damit nicht genug. In manchem Artikel las man sogar „Nahrungsergänzungsmittel erzielen häufig nicht die erwünschte Wirkung, es gibt sogar einige dieser Mittel, welche das Risiko eines vorzeitigen Todes erhöhen können“, ohne dass natürlich verraten werden würde, welche Mittel dies sind.
Liest man weiter, erfährt man jedoch, dass die (für den Leser nach wie vor unbekannten) Mittel nur dann problematisch seien, wenn man sie in zu hoher Dosierung einnehme.
Wollte man tatsächlich informieren, würde man hier kurz und knapp die besagten Mittel samt den bedenklichen Dosierungen aufführen – was aber nicht geschieht.
Nahrungsergänzungen, die Sie bitte keinesfalls einnehmen!
In besagter Metaanalyse untersuchte man nun die Wirkung von häufig verwendeten Nahrungsergänzungsmitteln, also insbesondere von Vitamin C, Vitamin D, Calcium sowie Multivitaminpräparaten (die aus zahlreichen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bestehen). Das Ergebnis war, dass die Einnahme all dieser Vitalstoffe zwar nicht schade, so die Forscher, aber auch nichts nutze (1).
Als Beispiel für ein häufig verwendetes Multipräparat wird Centrum® von Pfizer (4) genannt. Wenn Sie sich die Inhaltsstoffliste dieses Produktes ansehen, werden Sie vielleicht nicht mehr überrascht sein, dass dieses Mittel nichts genutzt haben soll:
Inhaltsstoffliste des untersuchten Präparates
Abgesehen von den Vitalstoffen enthalten die Mineralstoff- und Vitamintabletten zwei Füllstoffe, einen Stabilisator, modifizierte Stärke, Maltodextrin, zwei Emulgatoren, zwei Antiklumpmittel, Gelatine, Glucosesirup, Zucker (Saccharose), Pflanzenöl und zwei Farbstoffe.
Zu den Farbstoffen zählt Titandioxid, ein Stoff, der in der EU inzwischen für Lebensmittel und Nahrungsergänzungen verboten ist sowie Indigotin, ein blauer Farbstoff, der Aluminium enthalten kann, was aber nicht deklariert werden muss.
Unnötiger und riskanter Konservierungsstoff
Manche Centrum-Präparate (es gibt für jede Zielgruppe ein anderes) enthalten ferner Butylhydroxytoluol (BHT) als Zusatzstoff, ein Konservierungsstoff, der umstritten ist. In Babynahrung ist der Einsatz von BHT verboten. Auch für Naturkosmetik darf der Stoff nicht verwendet werden.
BHT könnte krebserregend sein, das Erbgut der Zellen im Magen-Darm-Trakt schädigen und bei Kindern zu Blausucht führen können (Sauerstoffmangel durch Funktionsstörungen roter Blutkörperchen).
Zwar wurden bei den entsprechenden Studien stets größere BHT-Mengen verwendet, da es jedoch ausreichend Vitamintabletten ohne BHT gibt, muss man sich dem Risiko nicht aussetzen.
Update März 2026
Inzwischen scheinen die Centrum-Rezepturen überarbeitet zu sein. Denn BHT konnten wir in den Vitamintabletten nicht mehr finden. Titandioxid und umstrittene Farbstoffe sind aber weiterhin enthalten.
Dosierung der einzelnen Vitamine ist zu niedrig, um eine Wirkung zu erzielen
Wie bei Multivitaminpräparaten üblich, sind die Dosen der einzelnen Vitamine und Mineralien in den Centrum-Vitamintabletten eher gering, so dass es verständlich ist, wenn sich hier keine Wirkung zeigt. So wird man beispielsweise mit 5 µg Vitamin D weder einen Mangel beheben noch einen solchen verhindern können.
100 mg Vitamin C sind bereits in zwei Orangen oder 200 ml O-Saft enthalten.
2,5 µg Vitamin B12 nützen so gut wie nichts, wenn jemand einen entsprechenden Mangel hat. Hier wird die 400-fache Menge empfohlen, da erst jetzt über die sog. passive Diffusion bei Menschen mit Resorptionsproblemen (z. B. bei Magen-Darm-Beschwerden) genügend B12 aufgenommen werden kann.
Ganz ähnlich verhält es sich bei den Vitamintabletten mit fast allen übrigen B-Vitaminen, mit Vitamin K (30 µg) und auch mit Calcium (162 mg). Die enthaltenen Dosen sind jeweils viel zu niedrig, um eine Wirkung erzielen zu können.
Update März 2026
Allerdings liegen inzwischen zwei Studien vor, in denen sich für ein Centrum-Präparat (Centrum Silver) positive Wirkungen zeigten - einmal auf das Gedächtnis älterer Menschen (6) und zum anderen besserten sich Marker, die mit Langlebigkeit in Verbindung stehen (7).
Dosierung wurde nicht in die Auswertung mit einbezogen
Die Forscher bezogen in ihre Auswertung jedoch die Einnahmedosis gar nicht mit ein, auch nicht das Alter der Probanden, nicht ihren Gesundheitszustand und auch nicht ihre Ernährungs- und Lebensweise. Es interessierte also nicht, ob die Personen rauchten oder nicht und auch nicht, ob sie übergewichtig waren oder nicht.
Genausowenig überprüfte man, ob die Probanden überhaupt einen Mangel hatten und an welchem Vitalstoff. Doch alle diese Faktoren beeinflussen die Wirksamkeit einer Nahrungsergänzung, so dass man ohne die Berücksichtigung dieser Punkte keine Aussagen über den Nutzen von Vitamintabletten treffen kann.
„Einfach gesund und ausgewogen ernähren!“
Am Ende der typischen Medienberichte findet man dann noch den altbekannten Satz, dass man sich einfach (!) gesund und ausgewogen ernähren solle und schon sei man bestens mit allen Vitalstoffen versorgt.
Nun ist aber genau das ja der Grund, warum man Vitamintabletten bzw. Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, nämlich weil man es eben NICHT schafft, sich im anstrengenden Alltagsgeschehen Tag für Tag gesund und ausgewogen zu ernähren. Daher ist eine suboptimale Mikronährstoffversorgung selbst in den Industrienationen so weit verbreitet.
* Hier entlang geht es zu unserer veganen online Kochschule mit vielen verschiedenen Kochkursen.
Nahrungsergänzungen nur nach professioneller Beratung einnehmen?
Weiter geht es in den Berichten mit der Warnung, dass man Vitamintabletten und Nahrungsergänzungen – falls man diese aufgrund von Mängeln einnehmen müsse – nur nach professioneller Beratung nehmen dürfe.
Abgesehen davon, dass hier suggeriert wird, Nahrungsergänzungen seien so dermaßen riskant, dass man sie nur mit Genehmigung von Fachpersonal einnehmen dürfe, spricht man den Leuten die Fähigkeit ab, die Einnahmeempfehlungen der jeweiligen Mittel zu lesen und sich selbst informieren zu können.
Letzteres würde zugegebenermaßen nicht klappen, wären alle Artikel im Netz derart arm an Informationen wie die allermeisten (z. B. der oben verlinkte).
Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die zeigen, dass viele Nahrungsergänzungen für das Herz-Kreislauf-System sehr nützlich sind - ob Vitamin C, Vitamin C, Coenzym Q10, Taurin, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Astaxanthin und viele mehr.
Geben Sie einfach "Herz" und den jeweiligen Begriff in unsere Suche. Sie finden dann den passenden Artikel.
Wichtig ist nur, dass Sie beim Kauf und der Einnahme einige Regeln beherzigen:
Worauf bei der Wahl von Vitamintabletten achten?
Kaufen Sie die entsprechenden Präparate dort, wo es hochwertige Vitamintabletten bzw. Nahrungsergänzungen gibt – ob dies nun in der Apotheke ist, im Bioladen, im Reformhaus oder im Online-Fachhandel, aber besser nicht im Drogeriemarkt und auch nicht im Supermarkt.
Achten Sie darauf, dass Sie nur solche Nahrungsergänzungen nehmen, die Sie auch tatsächlich benötigen, die ferner ohne überflüssige und/oder bedenkliche Zusatzstoffe auskommen und mit denen Sie die für Sie richtige Dosierung einnehmen können.
Wie Sie herausfinden, welche Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente Sie benötigen, lesen Sie in unseren Artikeln Vitaminmangel - Diagnose und Tipps sowie Mineralstoffmangel erkennen - Diagnose und Prävention.
Wenn Sie überlegen, Nahrungsergänzungen, wie z. B. Ashwagandha, Resveratrol, Heilpilze, Omega-3-Fettsäuren, Melatonin, Probiotika oder Mineralerden (Zeolith/Bentonit), geben Sie den entsprechenden Begriff in unsere Suche ein.
Sie finden dann viele Anwendungsmöglichkeiten und auch Risiken, so dass Sie entscheiden können, ob das jeweilige Mittel für Sie geeignet wäre oder nicht.
Fazit: Vitamintabletten sind sinnvoll!
Vitamintabletten und andere Nahrungsergänzungsmittel sind also sinnvoll, wenn sie sorgfältig ausgewählt und indviduell dosiert werden. Eine pauschale Verordnung eines bestimmten Präparats für alle Menschen ist hingegen selten von großem Nutzen.