Nebenwirkungen der Chemotherapie: Impotenz und Unfruchtbarkeit
Die Chemotherapie hat Nebenwirkungen. Das ist bekannt, wird akzeptiert, ja, es muss sogar so sein. Denn ein Mittel, das keine unerwünschten Nebenwirkungen hat, wirkt auch nicht – so die Meinung der Schulmedizin. Gegen Erbrechen werden inzwischen vorbeugend Medikamente gegeben, nicht zuletzt um die psychische Belastung des Patienten geringstmöglich zu halten.
In den Wochen nach der Therapie werden die Verdauungsbeschwerden weniger, das Haar wächst wieder nach und die Nägel und die Schleimhäute erholen sich wieder. Die Nebenwirkungen sind also reversibel.
Auch Nebenwirkungen, die die Fortpflanzungsfähigkeit betreffen (Unfruchtbarkeit und Impotenz), sind oft nicht mehr reversibel (1). Nicht selten wird dieses Risiko gar nicht sonderlich erwähnt, denn viele Krebspatienten sind bereits in einem Alter, in dem die Familienplanung längst abgeschlossen ist.
Doch sind auch sie natürlich von einer geschwächten Libido und einer Impotenz betroffen und leiden darunter.
Prävention: Samen- und Eizellen einfrieren
Wer im fortpflanzungsfähigen Alter eine Chemotherapie erhält, kann dadurch unfruchtbar werden und es auch bleiben (4).
In diesem Fall können vor der Chemotherapie Samen- und Eizellen entnommen und eingefroren werden, um später dennoch – über künstliche Befruchtung – eine Familie gründen zu können, auch wenn die Unfruchtbarkeit bestehen bleiben sollte.
Chemotherapeutika, die impotent oder unfruchtbar machen können
Medikamente, die zu einer Unfruchtbarkeit führen können, sind z. B.
Alkylantien (mit Procarbazin und/oder Cyclophosphamid)
Diese Mittel (werden z. B. beim Hodgkin Lymphom verabreicht) führen bei 90 bis 100 Prozent der behandelten Männer zu einer verlängerten Azoospermie (im Ejakulat sind keine reifen Samenzellen enthalten), bei 5 bis 25 Prozent der Frauen unter 30 Jahren zu einem Eierstockversagen.
Bei Frauen über 30 Jahren ist das Risiko noch höher, dass es zu einem vorzeitigen Eintritt in die Wechseljahre und damit zu Unfruchtbarkeit kommen kann (2).
Auch beim systemischen Lupus erythematodes, einer Autoimmunerkrankung, wird gelegentlich mit Cyclophosphamid behandelt.
Bei 14 Prozent der weiblichen Patientinnen unter 41 Jahren stellen die Eierstöcke anschließend ihre Tätigkeit ein, was bedeutet, dass keine Eizellen mehr reifen, die Frauen somit unfruchtbar sind (5) und in die vorzeitigen Wechseljahre gelangen.
Ifosfamid
Es ist ein anderes Chemotherapeutikum, das unfruchtbar macht. Hier kommt es – wie meist – auf die Dosis an. Bei einer Dosis unter 60 g pro Quadratmeter Körperoberfläche blieben in einer Untersuchung die Keimdrüsen intakt, bei einer höheren Dosis wurden 2/3 der Männer unfruchtbar (7).
Im International Journal of Clinical Oncology schrieben japanische Forscher im August 2016, dass die männliche Unfruchtbarkeit anfälliger für Chemotherapeutika sei als die weibliche. Männer würden also nach Chemotherapien in der Jugend häufiger unfruchtbar als Frauen (8).
Estramustin
Dieses Mittel führt nach der Prostatakrebs-Behandlung bei jedem 10. Mann zu Impotenz und Libidoverlust, außerdem können Thrombembolien, Ödeme, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Anämien, Thrombozytopenien, Leberfunktionsstörungen und das Wachsen der Brüste beobachtet werden (12).
Der Mitosehemmer Vincristin
Er führt zu Neuropathien (Nervenstörungen) (10) mit allen möglichen Begleiterkrankungen wie z. B. Missempfindungen (Kribbeln, Pelzigkeit, Jucken o. ä.), niedrigem Blutdruck, Erschlaffung der Blasenmuskulatur und zuguterletzt Impotenz.
Docetaxel (ein anderer Mitosehemmer)
In einer Studie mit diesem Mittel aus dem Jahr 2014 erlitten alle Teilnehmer (die wegen eines Prostatakrebses behandelt wurden) neben starker Müdigkeit und Verdauungsstörungen auch Erektionsstörungen (6).
Kombinierte Chemotherapien
Oft werden bei Chemotherapien verschiedene Medikamente kombiniert eingesetzt (3). Dabei kam es in einer Studie mit über 200 Teilnehmern häufig zum sog. Raynaud-Syndrom sowie überdies bei fast 20 Prozent zu einem Verlust der Libido, bei 12 Prozent zu einer Impotenz, bei 20 Prozent zu einer reduzierten Orgasmusintensität und bei 28 Prozent zu Ejakulationsproblemen.
Bei der Gabe von Cisplatin und Permetrexed kann es ebenfalls zu Unfruchtbarkeit kommen und zwar in 1 bis 10 von 100 Fällen.
Nach 6 Zyklen mit der Kombination aus Cisplatin, Vinblastin und Bleomycin litt in einer Studie, die im Danish Medical Bulletin beschrieben wurde, die Hälfte der Patienten noch viele Jahre später an Nierenschäden (9). Fast alle litten an einer peripheren Neuropathie (Erkrankung der Nerven mit Empfindungsstörungen). Ein Teil auch an Impotenz.
Eine Studie mit Cisplatin und Paclitaxel aus dem Jahr 2003 zeigte, dass sich die Impotenz bei keinem der Patienten nach Abschluss der Chemotherapie bessern ließ (11).
Wie Sie sich vor und nach der Chemotherapie stärken und schützen
Es gibt viele Möglichkeiten, um den Körper nach einer Chemotherapie wieder zu stärken und zu unterstützen, so dass dann die Chancen steigen, dass sich auch eine Impotenz wieder legt.
Werden die Maßnahmen schon vor der Therapie durchgeführt, könnte der Körper weniger anfällig für manche Chemo-Nebenwirkungen werden. Dazu zählen Maßnahmen zur Regeneration und Unterstützung der Entgiftungsorgane (Leber, Nieren) sowie Maßnahmen zur Regeneration des meist stark geschädigten Verdauungssystems.
Begleitet wird das Programm von einer vitalstoffreichen und hochwertigen Ernährung, die den Körper aufbauen und heilen hilft, ihm alles liefert, was er benötigt – und zwar ohne ihn noch zusätzlich mit weiteren schädigenden Stoffen zu belasten.
Wir haben im Artikel Wie man nach der Chemotherapie entgiftet sowie im Artikel Die Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapie reduzieren beschrieben, was Sie tun können, um Ihren Organismus bei der Erholung und Regeneration zu unterstützen.