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Methylenblau und Rotlicht - Hilft diese Kombi gegen Krebs?

Die Kombination aus Methylenblau und Rotlicht soll gegen Krebs wirksam sein. Dazu wird Methylenblau eingenommen. Kurz darauf bestrahlt man die entsprechende Körperregion mit Rotlicht. Diese Vorgehensweise soll Krebszellen selektiv abtöten. Wir schauen uns an, ob dies tatsächlich so ist.

Stand: 02 Mai 2026
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Kann Methylenblau gemeinsam mit Rotlicht Krebs bekämpfen?

In manchen Kanälen liest man, bei Krebs solle man 5 bis 10 mg Methylenblau einnehmen und eine Stunde später den Tumor oder den Körperbereich, wo die Krebserkrankung vorliegt, 20 Minuten lang mit Rotlicht bestrahlen.

Methylenblau würde besonders gut von Krebszellen aufgenommen. Ja, es würde sich selektiv in ihnen anreichern (weniger in gesunden Zellen). Wird es mit rotem Licht bestrahlt, oxidiere es und könne in dieser Form die entarteten Zellen abtöten – so die Erklärung.

Was ist Methylenblau?

Methylenblau (MB) ist ein synthetischer Farbstoff, also kein natürliches Mittel, hat aber in manchen Kreisen fast schon den Ruf als Allheilmittel.

Zu den Haupteigenschaften von Methylenblau gehören seine antioxidative Wirkung (gegen oxidativen Stress) und seine mitochondrienstabilisierende Wirkung (weshalb es zu mehr Energie führen soll).

Auch hat der Stoff neuroprotektive Wirkung, weshalb man sich eine präventive Wirkung in Sachen Demenz verspricht. Seine MAO-A-Hemmer-ähnliche Wirkung erhöht zudem den Serotonin- und Dopaminspiegel, weshalb MB antidepressiv und angstlösend wirken soll.

Näheres dazu – auch zu Anwendungsmöglichkeiten und der richtigen Einnahme und Dosierung – lesen Sie in unserem Artikel Methylenblau – Wirkung und Studien.

Was ist mit Rotlicht gemeint?

Mit Rotlicht sind hier nicht die üblichen Rotlicht-Wärmelampen gemeint (Halogenlampen mit rotem Filterglas), die lediglich ganz unspezifisch Wärme abgeben und deshalb ideal bei Muskelverspannungen und Erkältungen sind.

Stattdessen geht es um spezielle Rotlicht-Therapiegeräte, die mit Hilfe von LED-Leuchten nur bestimmte gezielt ausgewählte Wellenlängen (Rotlicht 630, 660 und 670 nm sowie Nahinfrarotlicht 810, 830 und 850 nm) bei bestimmter Bestrahlungsstärke abgeben.

Wärme geben diese Lampen kaum ab. Sie wirken stattdessen direkt auf die Zellen. Das Licht wird von den Mitochondrien absorbiert. Dies erhöht die Energieproduktion in den Zellen und reduziert oxidativen Stress.

Auch steigt die Stickstoffmonoxid-Freisetzung, was zur Weitung der Gefäße und so zu einer besseren Durchblutung führt.

Die Rotlicht-Therapie wirkt außerdem entzündungshemmend, da entzündungsfördernde Botenstoffe abgebaut werden. Zusätzlich lässt die Therapie zwei sog. neurotrophe Faktoren steigen (NGF und BDNF). Sie sorgen für die Regeneration und Reparatur geschädigter Nervenzellen.

Während die Wärmelampe nur wenige Millimeter in die Haut eindringt, sind es bei der Rotlichttherapie zwischen 5-10 mm (Rotlicht) und 2-5 cm (Nahinfrarot).

Bei der Wärmelampe können daher keine merklichen therapeutischen Wirkungen bei chronischen Erkrankungen erzielt werden, bei der Rotlicht-Therapie hingegen schon. Denn letztere kann tiefere Gewebe, wie Nerven, Muskeln und Gelenke erreichen und somit auch diese Gewebe therapieren und regenerieren helfen.

Studien zeigen positive Auswirkungen bei Rückenschmerzen, Hashimoto, Arthrose, diabetischer Polyneuropathie, Wundheilung, altersbedingter Sehschwäche und eine insgesamt entzündungshemmende Wirkung.

Ideal ist, dass man die Rotlicht-Therapie problemlos zu Hause durchführen kann. Wenn Sie „Rotlicht“ in unsere Suche eingeben, finden Sie zu den genannten Einsatzgebieten viele weitere Informationen zur Wirkung und Anwendung.

* Besonders einfach anwendbar ist die Rotlicht-Therapie mit diesem To-Go-Gerät oder dieser Stehlampe. Effektiver, weil größere Körperregionen bestrahlt werden können, sind größere Geräte. Nur sind diese dann auch kostspieliger. Hier finden Sie eine Auswahl an Rotlicht-Therapie-Geräten.

Methylenblau und Rotlicht gegen Krebs

Zum Thema „Methylenblau und Rotlicht gegen Krebs“ liegen zahlreiche Studien vor, in denen die Wirkung von MB in Kombination mit einer Rotlichtbestrahlung auf entartete Zellen untersucht wurde. Die Ergebnisse sind zwar vielversprechend, aber noch nicht alltagstauglich.

Denn es handelt sich bislang ausschließlich um Zell- und Tierstudien. Es gibt also keine klinische Studie, in der menschliche Tumorpatienten Methylenblau oral einnahmen, sich dann mit Rotlicht bestrahlten und nach einer gewissen Zeit geheilt waren.

* Hier finden Sie Methylenblau

Brustkrebszellen werden selektiv abgetötet

In einer Studie von 2017 hatte man untersucht, wie Brustkrebszellen auf Rotlicht reagieren, wenn sie zuvor mit Methylenblau in Kontakt gebracht wurden (1).

Denn ein zentrales Problem der herkömmlichen onkologischen Behandlung ist, dass nach Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung oft einzelne bösartige Zellen im Gewebe zurückbleiben, aus denen später erneut Tumoren entstehen können (Rezidive).

Deshalb wird nach ergänzenden Therapien gesucht, die solche verbliebenen Zellen gezielt zerstören könnten. Eine solche Methode wird z. B. schon länger im Bereich Hautkrebs eingesetzt (weißer Hautkrebs und Vorstufen). Man spricht von der photodynamischen Therapie (PDT).

Dabei wird ein Photosensibilisator (ein lichtempfindlicher Farbstoff) in die Zellen eingebracht und anschließend mit einem bestimmten Licht bestrahlt. In Gegenwart von Sauerstoff entstehen dabei reaktive Sauerstoffverbindungen, die Zellen schädigen und zum Absterben bringen.

In genannter Studie nun diente Methylenblau als Photosensibilisator. Es wurden sowohl entartete Brustzellen als auch gesunde Brustzellen damit behandelt (2 Stunden lang) und anschließend mit rotem Licht bei 640 nm bestrahlt.

Das Ergebnis zeigte, dass die Behandlung die bösartigen Zellen sehr effektiv abtötete, während die gesunden Zellen deutlich widerstandsfähiger waren, was auf eine selektive Wirkung der Therapie hinweist.

Dennoch reichte die beobachtete Selektivität nicht aus, um eine therapeutische Sicherheit zu garantieren (dass gesunde Zellen verschont bleiben). Daher forscht man an Möglichkeiten, die Selektivität von Methylenblau zu optimieren – siehe weiter unten.

Vorteilhaft war jedoch, dass die Behandlung offenbar mehrere tödliche Mechanismen in den entarteten Zellen aktivierte (also nicht nur z. B. die Apoptose) – was für eine besonders gute Wirksamkeit spricht.

* Hier finden Sie unseren Kochkurs für eine gesunde basische Ernährung

Warum die Therapie bei einer Tumorbehandlung fragwürdig ist

In der Zellstudie wurden die Zellen direkt bestrahlt. Wollte man nun Tumorzellen in einem Körper behandeln, dann muss das Licht erst die Haut, dann Fett und noch weiteres Gewebe durchdringen, bis es auf eine Zielzelle trifft. Wie viel dann aber vom Licht noch ankommt, ist nicht bekannt.

Ein weiteres Problem ist, eine ausreichend hohe Methylenblau-Dosis in den Krebszellen zu erreichen. Im Reagenzglas ist das kein Problem. Die Zellen werden einfach direkt mit der nötigen MB-Menge in Kontakt gebracht.

So viel MB könnte man aber gar nicht einnehmen, damit sich nach Verdauung und Verteilung im Organismus ausgerechnet in den entarteten Zellen genügend davon anreichern kann.

Selbst wenn sich der Farbstoff eher in entarteten Zellen als in gesundem Gewebe ansammelt, heißt das nicht, dass er sich in gesundem Gewebe gar nicht, sondern nur dass es sich dort in etwas geringerer Menge ansammelt.

Es ist also unwahrscheinlich, dass in einem Tumor bei oraler MB-Einnahme eine für eine Lichttherapie-Wirkung ausreichende MB-Konzentration erreicht wird.

Zusätzlich ist für eine Wirkung immer auch genügend Sauerstoff nötig. Dieser kann in Laborversuchen leicht zur Verfügung gestellt werden. In echtem Tumorgewebe im Körper aber herrscht meist Sauerstoffmangel, so dass die Lichttherapie-Wirkung weiter reduziert wird.

Tumorgröße schrumpft bei verschiedenen Krebsarten

In einer systematischen Übersichtsarbeit von 2023 wurden 10 Tierstudien ausgewertet. Sie zeigen größtenteils, dass die Kombination von MB und Rotlicht-Bestrahlung die Tumorgröße bei Mäusen und Ratten , die Darm- oder Hautkrebs (oder andere Tumorarten) hatten, reduzieren konnte (2).

Allerdings wurde das MB den Tieren nicht oral gegeben, sondern per Injektion verabreicht, teilweise in Nanopartikeln verpackt, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen. Anschließend wurden die Tumoren gezielt mit Licht bestrahlt, häufig direkt am Tumor.

Die Reduktion der Tumorgröße betrug zwischen 12 % und 100 %. Besonders erfolgreich war dies bei Darm- und Hauttumoren. Bei Brusttumoren und Gebärmutterhalskrebs war die Wirkung deutlich schwächer. Diese Tumore bildeten sich oft nicht zurück, aber das Tumorwachstum verlangsamte sich.

Auch diese Studien zeigen also nicht, dass man einen bösartigen Tumor besiegen kann, wenn man Methylenblau einnimmt und sich dann unter die Rotlichtlampe legt.

Knochenkrebszellen sterben bei hohen MB- und Lichtdosen

In einer weiteren Studie untersuchte man, ob MB in Kombination mit Rotlicht Knochenkrebszellen (Osteosarkom) im Labor abtöten kann.

Die Zellen wurden mit derart hohen MB-Konzentrationen behandelt, die man oral nicht zu sich nehmen könnte. Anschließend wurden sie mit Rotlicht bestrahlt. Auch die Lichtdosen waren so hoch, dass diese nicht mehr sicher wären für eine Heimanwendung.

Methylenblau allein hatte keine Wirkung, auch Rotlicht allein nicht. Erst die Kombination aus beiden führte zu einem starken Zellsterben. Der Zelluntergang war umso stärker, je mehr MB verwendet wurde und je stärker das Licht war.

Die angewandten hohen Dosen, die für eine gute Wirkung nötig waren, zeigen, dass es sich hier um eine Therapie handeln würde, die – ähnlich wie herkömmliche onkologische Therapien – auch deutliche Nebenwirkungen mit sich bringen würde.

Ähnliche Studien liegen zu Lungenkrebszellen (5) vor, zu Mundkrebszellen und Leukoplakie-Zellen (sind eine Krebsvorstufe, können also u. U. entarten) (6) sowie zu Retinoblastomzellen (Augentumor bei Kindern) (7).

Selektivität von Methylenblau reicht nicht aus

Auch weitere Studien zum Thema zeigen immer wieder, dass erst ausgefeilte Technologien nötig sind, um eine Wirkung zu erzielen. Nicht einmal die Vorliebe von Methylenblau für bösartige Zellen scheint ausreichend zu sein (die selektive Anreicherung in Krebszellen), da man sie künstlich verstärken muss.

Im Jahr 2015 hatte man getestet, ob man die MB-Aufnahme in Gebärmutterhalskrebszellen verbessern könnte und auch die Lichtwirkung (660 nm mit Laser) verstärken könnte (4). Dazu wurde das MB mit einer Polymerhülle versehen und mit Gold-Nanopartikeln sowie Transferrin verknüpft (entartete Zellen haben viele Transferrin-Rezeptoren).

Nicht nur Wirkungen sollten auf diese Weise verstärkt werden. Auch Nebenwirkungen wollte man so reduzieren, da MB toxische Eigenschaften haben kann (auch ohne Bestrahlung und auch auf gesunde Zellen).

Methylenblau und Rotlicht – Welches Ziel haben all die Studien?

Was das Ziel all der Untersuchungen ist, liegt auf der Hand: Man will langfristig herausfinden, ob sich die Therapie als Krebsbehandlung eignet. Da ihre Wirkung aber nicht zufriedenstellend ist, versucht man sie zu optimieren und zu verstärken, was dann aber – wie andere onkologische Therapien auch – starke Nebenwirkungen haben kann.

Im Jahr 2024 beispielsweise hat man festgestellt (ebenfalls im Zellversuch), dass die Kombination aus Methylenblau und Lichtbestrahlung die Wirkung des hochtoxischen Chemotherapeutikums Doxorubicin verbessern kann (8).

Hier wäre das Ziel, eventuell einen Weg zu finden, um die Doxorubicin-Dosis bei gleicher oder besserer Wirkung reduzieren zu können, wenn man andere Wirkstoffe zeitgleich gibt. Dies könnte dann u. U. für weniger Nebenwirkungen des Chemotherapeutikums sorgen.

Fazit: Methylenblau und Rotlicht – gegen Krebs noch nicht ausgefeilt

Zellkultur- und Tierstudien, wie die oben vorgestellten, zeigen also, was unter Idealbedingungen möglich wäre, aber nicht, was im Alltag tatsächlich funktioniert.

Wenn daher Krebszellen, die in Methylenblau baden, im Labor unter direkter Rotlichtbestrahlung absterben, heißt das nicht, dass man einen Tumor im Körper von außen mit einer Rotlicht-Lampe behandeln kann, wenn man zuvor ein paar Milligramm Methylenblau eingenommen hat.

Wenn Sie Methylenblau in Kombination mit der Rotlichttherapie bei Krebs anwenden möchten, besprechen Sie deshalb am besten mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker, ob überhaupt und wenn ja, wie man diese Komponente ins Therapie-Konzept integrieren könnte.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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