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Nebenwirkungen der Chemotherapie: Gehirnschäden

Nach einer Chemotherapie kann es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen. Bekannt sind Beschwerden, die meist akut auftreten, wie Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall und Verdauungsbeschwerden. Weniger bekannt ist, dass die Therapie auch noch Monate oder Jahre später zu Problemen führen kann, da die Medikamente das Gehirn angreifen, so dass es zu demenzähnlichen Symptomen kommen kann.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 12 Mai 2026
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Gehirnschäden durch Chemotherapie?

Immer wieder klagen Krebspatienten nach einer Chemotherapie über den Zustand eines so genannten "chemo brain" oder "chemo fog" (4). Symptome dieser Problematik sind Konzentrationsstörungen, Gedächtnisverlust, Sehstörungen oder Demenz.

Dahinter könnten in manchen Fällen Gehirnschäden stehen, die durch bestimmte Krebsmedikamente begünstigt werden. Besonders beunruhigend ist, dass diese Gehirnschäden nicht immer sofort auftreten. Manche Betroffene bemerken die Veränderungen erst Monate nach der Therapie.

Nebenwirkungen der Krebsbehandlung

Schon aus den 1990er Jahren liegen Studien vor, denen zufolge 18 Prozent aller Brustkrebspatientinnen, die eine Standard-Chemotherapie erhalten hatten, anschließend an kognitiven Störungen litten.

Wenn die Patientinnen eine Hochdosis-Chemo erhalten hatten, dann stieg der Anteil jener Frauen, die noch zwei Jahre nach der Therapie an kognitiven Störungen litten, auf 30 Prozent. Zwar können die Beschwerden auch bei Personen auftauchen, die keine solche Therapie erhalten. Doch litten die therapierten Frauen achtmal häufiger an kognitiven Problemen (1) als die Kontrollgruppe.

Auch zeigen sich gelegentlich weitere neurologische Störungen, wie Anfälle, eine Leukenzephalopathie oder Hirninfarkte (3) - und zwar bei fast allen Chemotherapie-Medikamenten (Antimetaboliten wie Cytarabin, 5-Fluorouracil (5-FU) und Methotrexat; Alkylanzien wie BCNU und Cisplatin und auch bei Medikamenten zur Antihormontherapie).

Die kognitiven bzw. neurologischen Beschwerden können zeitverzögert auftreten und langfristig bestehen bleiben (2). Bei bis zu 70 Prozent der Patientinnen, die wegen eines Brustkrebses eine Hochdosis-Chemotherapie bekamen, zeigten sich Veränderungen in der Weissen Substanz des Gehirns, also dort, wo insbesondere Nervenfasern verlaufen, etliche Monate nach Abschluss der Therapie.

Gehirnschäden durch bestimmte Krebsmedikamente

In einer Studie, die 2008 im Journal of Biology erschien, verabreichten Forscher Mäusen das Krebsmedikament 5-Fluorouracil (5-FU). Sie beobachteten die Auswirkungen auf das Gehirn, um herauszufinden, wie solche Gehirnschäden entstehen könnten. 5-FU ist ein Zytostatikum, das eingesetzt wird, um das Zellwachstum zu hemmen.

Sie fanden heraus, dass das Medikament Zellen im Gehirn angreift, die als Oligodendrozyten bekannt sind. Diese werden dabei so gründlich zerstört, dass davon selbst 6 Monate nach Therapieende kaum noch Zellen in den Gehirnen der Mäuse vorhanden waren.

Oligodendrozyten sind für die Produktion der schützenden Myelinscheiden verantwortlich, die die Nervenfasern schützen und für eine schnellere Weiterleitung entsprechender Signale zuständig sind. Die Degeneration der Myelinscheiden wird mit vielfältigen neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer und Multiple Sklerose in Verbindung gebracht.

5-FU ist ein häufiger Bestandteil des Chemotherapiecocktails, der zur Behandlung von Blasen-, Brust-, Dickdarm-, Eierstock-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzt wird.

Fazit: Gehirnschäden nach Chemotherapie ernst nehmen

Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme oder andere neurologische Beschwerden nach einer Krebsbehandlung sollten nicht als harmlose Begleiterscheinung abgetan werden. Die genannten Studien zeigen, dass bestimmte Krebsmedikamente das Gehirn belasten und möglicherweise Gehirnschäden begünstigen können.

Betroffene sollten entsprechende Symptome daher frühzeitig mit ihrem Arzt besprechen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, sich schon vor Beginn der Behandlung über mögliche Nebenwirkungen zu informieren und begleitende Massnahmen zu nutzen, die Gehirn, Nerven und Allgemeinzustand bestmöglich unterstützen.

Auf unserer Seite finden Sie Informationen, wie Sie die häufigsten Nebenwirkungen einer Krebstherapie bestmöglich reduzieren können.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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