Ernährung der Oma entscheidet über die eigene Gesundheit
Wen interessiert es schon, wie sich die Großmutter oder womöglich die Urgroßmutter ernährt hat?
Doch kann die Ernährung der Vorfahren sogar die eigene Darmflora (Mikrobiom) beeinflussen - und zwar so deutlich, dass man nun selbst beispielsweise an Allergien, Arthritis, hoher Infektanfälligkeit oder sonstigen chronischen Beschwerden leidet, ganz gleich, wie gut und gesund man sich selbst auch ernähren mag. Zumindest bei Mäusen ist dies laut einer Studie so.
Darmflorastörung wird bis mindestens zur 4. Generation vererbt
Wissenschaftler der Stanford University School of Medicine stellten fest, dass die typische ballaststoffarme Ernährung in den Industrieländern bei den Mäusen zu derart gravierenden Mängeln und Gesundheitsstörungen führen kann, dass diese an die nächsten Generationen weiter gegeben, also vererbt werden (2).
In der vorliegenden Studie hatte sich gezeigt, dass eine ungesunde Ernährung nicht nur das Mikrobiom im Darm aus ihrem gesunden Gleichgewicht bringt, sondern gar zu einem solch irreversiblen Verlust der Bakterienvielfalt (Diversität) führt, dass diese nun reduzierte Vielfalt an die nächsten mindestens drei bis vier Generationen vererbt wird.
Gesunde Ernährung hilft dann nicht mehr
Sobald einzelne Leitkeime daraus vollständig verschwunden (ausgestorben) sind - so die Studie - hilft auch die richtige Ernährung nicht mehr, um das Darmmikrobiom wieder zu regenerieren und mit den richtigen Darmbakterien zu bestücken.
Offenbar seien von einer nachhaltigen Darmflorastörung (Dysbiose) bereits auch viele Menschen aus den industrialisierten Nationen betroffen.
Heutiger Ballaststoffverzehr: Nur 10 Prozent des Ballaststoffverzehrs unserer Ahnen
Mit der immer stärker verarbeiteten Nahrung sank der Ballaststoffverzehr seit Mitte des 20. Jahrhunderts auf etwa 15 Gramm täglich pro Person.
Das aber ist lediglich ein Zehntel jener Ballaststoffmenge (1), die unsere Ahnen als Sammler und Jäger oder auch später noch als Bauern zu sich genommen haben, erklärt Dr. Justin Sonnenburg, Professor für Mikrobiologie und Immunologie sowie Leiter der Stanford-Studie, die im Januar 2016 im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde.
Ballaststoffe: Nahrung für die Darmflora
Nahezu alle Gesundheitsexperten sind sich mittlerweile darin einig, dass ballaststoffarme Ernährungsweisen ungeeignet sind, um langfristig gesund zu bleiben.
Ballaststoffe, die bekanntlich von den Verdauungsenzymen nicht verdaut werden können, sind die Hauptnahrungsquelle der Darmbakterien. Verständlich, wenn ein eingeschränktes Nahrungsangebot nun auch zu einem stark dezimierten Mikrobiom führt.
Je gestörter die Darmflora, umso höher das Krankheitsrisiko
Je dezimierter und gestörter aber die Darmflora ist, umso höher ist die Gefahr für chronische Krankheiten nahezu jeder Art. Tausende verschiedener Bakterienstämme leben normalerweise im Dickdarm gesunder Menschen. Ganz ohne diese Bakterien wäre es schwierig, überhaupt am Leben zu bleiben, sagt Dr. Sonnenburg.
Die Darmbakterien vertreiben Krankheitserreger, trainieren das Immunsystem und lenken sogar das Wachstum sowie die Regeneration und Heilprozesse nach Verletzungen und Krankheiten.
Manche Bakterienstämme fehlen heute völlig
Auch wenn jeder ungeborene Mensch noch überhaupt keine Darmbakterien besitzt, ändert sich das während und nach der Geburt sehr schnell. Das Baby nimmt die Bakterien der Mutter und später auch – durch engen Körperkontakt – die der anderen Familienmitglieder auf.
Untersuchungen haben nun ergeben, dass die Vielfalt der Bakterienstämme, die einst die Därme unserer als Sammler und Jäger oder als Bauern lebenden Vorfahren besiedelten, ganz enorm jene Vielfalt der heutigen Durchschnittsflora übertraf.
Ja, in der Darmflora des aktuellen Zivilisationsmenschen glänzen zahlreiche Bakterienstämme mit totaler Abwesenheit.
Dabei handelt es sich um Bakterienstämme, die grundsätzlich zum menschlichen Darmmikrobiom gehören, also schon immer im Darm unserer Vorfahren gegenwärtig waren – und zwar ganz gleich ob sie in Afrika, Südamerika oder Papua Neuguinea lebten.
Ursachen der verbreiteten Dysbiose
Dr. Erica Sonnenburg (Frau und Forscherkollegin von Dr. Justin Sonnenburg) nennt mögliche Gründe dieser heute so weit verbreiteten Störung der Darmflora (Dysbiose):
"Der routinierte Einsatz von Antibiotika, immer häufiger durchgeführte Kaiserschnitte und die Entscheidung der Mütter gegen das Stillen sind wichtige Faktoren, die zur beschriebenen Dysbiose führen."
Doch scheint der mit Abstand wichtigste Grund die ballaststoffarme Ernährung zu sein.
Ballaststoffarme Ernährung führt nach kurzer Zeit zu Dysbiosen
In der Studie der Sonnenburgs wurden zwei Mäuse-Gruppen eingesetzt. Ursprünglich war ihre Darmflora identisch. Dann aber erhielt eine Gruppe ballaststoffreiche Nahrung, die andere eine ballaststoffarme. Beide Ernährungsweisen waren jedoch in Bezug auf Proteine, Fett und Kalorien absolut identisch.
Schon wenige Wochen später erkannte man eine massive Änderung in der Darmflora der ballaststoffarm ernährten Mäuse. Diese bestand aus viel weniger Darmbakterienstämmen. Bei mehr als der Hälfte der Stämme war ein Schwund von über 75 Prozent zu beobachten und viele Stämme waren ganz ausgestorben.
Regeneration allein durch Ernährungsumstellung nicht mehr möglich
Nach einigen Wochen gab man den bisher ballaststoffarm ernährten Tieren ballaststoffreiche Kost. Doch konnte sich das Darmmikrobiom nur teilweise erholen, vermutlich weil während der ungesunden Ernährungsphase manche Stämme komplett verschwunden waren und sich diese aus dem Nichts nicht mehr regenerieren können.
Ein Drittel der ursprünglich vorhandenen Darmbakterien schaffte es somit nicht wieder, sich anzusiedeln – auch dann nicht, wenn sich die Betroffenen gesund und ballaststoffreich ernährten.
In der Gruppe, die dauerhaft ballaststoffreich gefüttert wurde, konnte man keine Änderungen in der Zusammensetzung beobachten.
* Hier finden Sie einen Darmflora-Status-Heimtest.
In jeder weiteren Generation zeigen sich noch größere Störungen
Im weiteren Verlauf der Studie zeigte sich nun aber, dass nicht nur die ballaststoffarm gefütterten Tiere von den Störungen betroffen waren, sondern auch deren Kinder, Enkel und Urenkel. Mit jeder Generation schien die Zahl der noch vorhandenen Darmbakterienstämme weiter abzunehmen.
In der vierten Generation waren bereits drei Viertel jener Stämme, die noch im Darm der Urgroßeltern vorhanden waren, verschwunden. Ernährte man diese vierte Generation nun gesund, dann blieben weiterhin zwei Drittel der bei den Ahnen noch vorhandenen Stämme weiterhin abwesend, was auf ein endgültiges Aussterben dieser Stämme hindeutet.
Letzte Rettung: Stuhltransplantation
Eine vollständige Regeneration mit erfolgreicher Wiederansiedlung der ausgestorbenen Stämme war nur möglich, wenn man bei den Betroffenen eine Stuhltransplantation durchführte. Hierbei werden kleine Stuhlmengen gesunder Mäuse in den Darm der Tiere, die an Darmflorastörungen leiden, eingebracht.
Gleichzeitig war eine konsequente Ernährungsumstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährungsweise notwendig. Erst jetzt konnte sich das gesunde Darmmikrobiom wieder einstellen und auch halten.
"Stuhltransplantation" mag für manche Ohren äußerst ungewöhnlich und wenig ansprechend klingen. Doch konnte genau diese Maßnahme auch schon Menschen das Leben retten, die an antibiotika- und therapieresistenten Darminfektionen litten und daran andernfalls gestorben wären.
Das Darmmikrobiom eines gesunden Menschen konnte die resistenten Erreger im Todkranken binnen kurzer Zeit unschädlich machen.
Hände nicht mehr waschen!
Falls sich die Erkenntnisse aus beschriebener Mäusestudie auf Menschen übertragen lassen, stellt sich die Frage: Was kann der Einzelne nun tun?
Die Ernährung der Großmutter lässt sich heute ja nicht mehr ändern. Die eigene Ernährungsumstellung scheint nicht viel zu bringen. Und eine Stuhltransplantation ist vielleicht auch nicht die Maßnahme der Wahl, wenn man nicht gerade lebensbedrohlich erkrankt ist.
Dr. Justin Sonnenburg rät zu interessanten Alternativen:
"Die extrem ballaststoffarme Ernährung in den Industrienationen wird uns in den nächsten Generationen enorme Verluste in Sachen Darm-Vielfalt und damit auch in Sachen Gesundheit einbringen. Wir sollten manche unserer Hygieneregeln hinterfragen, da genau diese noch dazu beitragen, dass die Vielfalt der gesunden Bakterien in uns so drastisch abnimmt. Erste Schritte in Richtung gesunder Darmflora könnten z. B. sein, die Hände nach der Gartenarbeit eben nicht zu waschen – und auch nicht nach dem Schmusen mit dem Hund oder der Katze. Natürlich sollten auch Antibiotika nur im Notfall verwendet werden."
Darmflora schützen und aufbauen: Mit Probiotika
Eine Vielzahl der wichtigsten Leitkeime lassen sich heute auch mit Hilfe von hochwertigen Probiotika einnehmen (z. B. mit * Combi Flora SymBIO, einem Probiotikum in Bio-Qualität).
Darin finden sich neben den üblichen Lactobazillen und Bifidobakterien beispielsweise auch Lactobacillus helveticus.
Dieses Milchsäurebakterium schützt vor Blasenentzündungen, Scheidenpilz, Candida und problematischen Darmbakterien und erhöht außerdem die Knochendichte.
Auch Lactobacillus reuteri und Lactobacillus rhamnosus sind enthalten. Ersterer ist ein Bakterienstamm, der Zähne und Zahnfleisch schützt und das Allergierisiko reduziert. Letzterer hingegen kann u. a. beim Abnehmen helfen.
Diese Probiotika können kurweise (z. B. 4-12 Wochen lang) in Kapselform eingenommen werden. Details zum richtigen Aufbau der Darmflora lesen Sie in unserem Artikel Darmflora aufbauen - Anleitung und Tipps.