Spinatextrakt als natürlicher Appetitzügler: Die Studie
Appetitzügler werden wohl immer Hochkonjunktur haben. Besonders natürlich oder bekömmlich sind sie dabei selten.
Forscher der schwedischen Lund Universität machten sich auf die Suche nach einem natürlichen Appetitzügler, der dabei helfen sollte, das Abnehmen zu erleichtern (1) und dabei auch Heißhungerattacken zu verhindern. Im Fokus standen dabei spezielle Stoffe (Thylakoide), die u. a. in Spinat, aber auch in anderen Grünpflanzen enthalten sind.
Wie Spinatextrakt Heißhunger stark reduziert
Sie teilten 38 übergewichtige Frauen im Alter von 40 bis 65 in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe erhielt zwölf Wochen lang jeden Morgen vor dem Frühstück einen Blaubeer-Drink (50 g) mit 5 g eines speziellen Spinatextrakts (Appethyl® von Greenleaf Medical AB), die anderen Frauen bekamen stattdessen ein Placebo verabreicht.
Während der Studie sollten sich die Frauen auch mehr bewegen und erhielten überdies eine standardisierte Diät mit drei konventionellen Mahlzeiten pro Tag. Zwischenmahlzeiten waren tabu.
Zum Frühstück gab es Vanillejoghurt (150 g), Früchtemüsli (45 g), eine Scheibe Weißbrot (40 g) mit Butter (1 TL) und Käse (20 g) sowie ein Streifen rote Paprika (20 g) und dazu eine Tasse Kaffee mit etwas Milch und 200 ml Orangensaft.
Das Frühstück war also relativ kohlenhydratlastig. Es bestand aus 60 Prozent Kohlenhydraten, 28 Prozent Fett und 12 Prozent Eiweiß.
Innerhalb von 15 Minuten mussten die Probandinnen das Frühstück verspeist haben.
Zum Mittagessen gab es eine Pizza und am Abend erhielten die Studienteilnehmerinnen Lachs mit Kartoffeln.
Alle drei Wochen überprüften Prof. Charlotte Erlanson-Albertsson und ihre Kollegen die Blutwerte der Studienteilnehmerinnen. Am ersten und am 90. Tag befragten sie sie außerdem zu ihrem Hungergefühl, zu Heißhungerattacken und ihrem Sättigungsgrad.
Spinatextrakt steigert den Gewichtsverlust deutlich
Die Ergebnisse der dreimonatigen Studie waren eindeutig: Während die Frauen aus der Kontrollgruppe durchschnittlich 3,5 Kilogramm an Gewicht verloren, waren es bei den Frauen, die Spinatextrakt erhalten hatten, im Durchschnitt ganze fünf Kilogramm.
Damit erhöhte der natürliche Appetitzügler den Gewichtsverlust um 43 Prozent.
Auch auf das Hungergefühl der Teilnehmerinnen hatte der Spinatextrakt einen großen Einfluss. Die Häufigkeit von Heißhungerattacken wurde bei den Spinat-Frauen um 95 Prozent reduziert, ging nun also nahezu gegen Null. Ebenso sank die Lust auf Süßes. Der Appetit war auf relativ natürliche Weise eingeschränkt worden.
Damit fiel es der Spinatextrakt-Gruppe auch erheblich leichter, sich an die Ernährungsvorgaben der Forscher zu halten.
Auch der LDL- und Gesamt-Cholesterinspiegel war bei den Frauen, die die Spinat-Nahrungsergänzung erhalten hatten, am Ende der Studie niedriger als bei den Frauen in der Placebogruppe.
Damit vermindert der besondere Spinatextrakt offenbar auch das Risiko für viele Erkrankungen, die mit Übergewicht und einem damit einhergehenden erhöhten Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht werden.
Der GLP-1-Effekt: Warum Spinatextrakt so gut sättigt
Als Ursache für diese positiven Ergebnisse vermuten Prof. Erlanson-Albertsson und Kollegen die Tatsache, dass die im Spinatextrakt enthaltene Thylakoide die Ausschüttung des Hormons Glucagon-like Peptide 1 (kurz: GLP-1) fördern.
GLP-1 wird im Darm ausgeschüttet und hat gleich mehrere Effekte auf unseren Körper, die es zu einem „Schlankheitshormon“ machen.
Zum einen sorgt GLP-1 dafür, dass wir schneller satt werden. Zum anderen verlangsamt es die Verdauung, sodass der Speisebrei länger in Magen und Darm bleibt und dem Körper von dort aus signalisiert, dass noch nicht wieder Essenszeit ist.
Darüber hinaus stimuliert GLP-1 die Insulinausschüttung. Dadurch wird mehr Glucose in die Körperzellen aufgenommen und der Blutzuckerspiegel bleibt konstant.
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Thylakoide aus Spinat – Der Mechanismus des Appetitzüglers
Da in der Studie ein besonderer Extrakt verwendet wurde, der eine standardisierte Thylakoidmenge enthielt, ist nicht bekannt, ob auch einfach nur der Verzehr von Spinat zur selben Wirkung führen könnte.
Wenn man dies ausprobieren will, sollte der Spinat in jedem Fall roh und gut zerkleinert sein, z. B. in einem Smoothie, damit die Thylakoide auch bioverfügbar sind. Doch wird man auch auf diese Weise nicht die Thylakoidmenge erreichen, die im genannten Präparat enthalten war.
Was sind Thylakoide?
Thylakoide sind Membransysteme, die sich innerhalb der Chloroplasten in den Pflanzenzellen befinden. Chloroplasten wiederum sind kleine Zellorgane, die mit Chlorophyll gefüllt sind und für die Photosynthese zuständig sind.
Die Chloroplasten sind von einer doppelten Membran umgeben und liegen im Inneren der Pflanzenzelle. Diese wiederum ist von einer festen Zellwand aus Cellulose umschlossen. Diese Zellwände sind für unsere Verdauungsenzyme schwer zugänglich. Selbst beim Kauen oder Kochen werden die Zellwände nur unvollständig aufgebrochen, und die Thylakoide bleiben größtenteils eingeschlossen.
Deshalb werden die Thylakoide beim normalen Essen nur zu einem kleinen Teil freigesetzt und können ihre appetitzügelnde Wirkung kaum entfalten.
Beim Kochen wiederum werden die Zellwände zwar teilweise aufgeschlossen, aber das allein reicht nicht aus, um die Thylakoide vollständig freizusetzen. Und wenn es gelingen sollte, dann könnte die Hitze die Thylakoide schädigen und damit auch ihre appetithemmenden Eigenschaften zerstören.
Ein Mixer (z. B. Smoothie) kann helfen, die Zellwände zu zerstören, aber auch hier bleibt es unklar, wie viel der Thylakoide dann wirklich bioverfügbar wird (oft nur ein Teil).
* Hier finden Sie unseren Kochkurs zum Abnehmen
Enthalten auch andere Gemüse Thylakoide?
Andere Blattgemüse wie Mangold, Grünkohl, Brokkoli enthalten ebenfalls Chloroplasten und damit Thylakoide. Aber auch hier gelten dieselben Einschränkungen: Die Zellwände sind stabil - und ohne industrielle Extraktion ist die Freisetzung und Bioverfügbarkeit der Thylakoide gering.
Spirulina (Cyanobakterium) enthält ebenfalls Thylakoide (nur eben keine Chloroplasten, sondern das Thylakoidsystem schwimmt direkt im Cytoplasma). Spirulina-Produkte (Pulver oder Tabletten) werden jedoch meist als Ganzzellenpräparate getrocknet. Die Thylakoide sind dort zwar enthalten, aber nicht isoliert (wie in der Studie).
Der Gehalt an Thylakoiden pro Gramm Pulver ist deutlich niedriger als in einem gezielt hergestellten Thylakoidkonzentrat. Außerdem werden in Spirulina oft die Zellwände (bestehend aus Polysacchariden und Peptiden) nicht entfernt oder aufgebrochen, sodass auch hier die Bioverfügbarkeit der Thylakoide im menschlichen Verdauungstrakt eher gering ist.
In unserem Artikel Spirulina: Wirkung und Nebenwirkungen finden Sie viele interessante Informationen rund um Spirulina.
Letztendlich gilt wie so oft: Zu einem gesunden Abnehmen gehören weniger spezielle Mittel zur Appetithemmung als vielmehr eine insgesamt vitalstoffreiche und kohlenhydratärmere Ernährung (z. B. herkömmliche Pasta gegen kalorienfreie Konjak-Nudeln austauschen) und ein regelmäßiges Bewegungsprogramm.
Lesen Sie Details in unseren Artikeln Abnehmen - 15 Tipps, um gesund abzunehmen und Konjak Nudeln: Basische Nudeln ohne Kohlenhydrate.
Update 3.6.2025
Wir haben den Artikel aktualisiert.