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Pentadecansäure - Wirkung und Anwendung von C15:0

Pentadecansäure ist eine gesättigte Fettsäure - auch C15 genannt. Sie wird in der Forschung erst seit wenigen Jahren näher untersucht. Die Fettsäure soll u. a. der Zellalterung vorbeugen und daher vor altersbedingten Erkrankungen schützen – und es wird behauptet, sie sei „besser“ als Omega 3. Wir schauen uns an, was hinter der aktuell so gehypten Fettsäure steckt.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 24 Mai 2026
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Was haben Delfine mit Pentadecansäure zu tun?

Die Pentadecansäure ist für Delfine ein Super-Nährstoff – so erlebte es zumindest die Tierärztin und Epidemiologin Stephanie Venn-Watson im Rahmen eines US-amerikanischen Forschungsprogramms mit den Navy-Delfinen.

Die Tiere leben in der San Diego Bucht in Unterwasserkäfigen und werden seit den 1960er Jahren u. a. für die Minensuche eingesetzt. Gleichzeitig nutzt man sie für Forschungsarbeiten rund um Alterungsprozesse, Sinnesleistungen und vieles mehr.

Venn-Watson stellte schon Mitte der 2000er Jahre fest, dass Delfine im höheren Alter mit ähnlichen Gebrechen zu kämpfen haben wie Menschen – der Cholesterinspiegel steigt, Rheuma stellt sich ein, Entzündungswerte gehen nach oben und auch kognitive Einschränkungen lassen sich beobachten.

Nach einer Ernährungsumstellung zeigte sich, dass es den Tieren im Alter deutlich besser ging als Altersgenossen, die noch die vorherige Ernährung erhielten.

Venn-Watsons Team dachte erst, dass es die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren sei, was aber laut den Forschern nicht der Fall war. Stattdessen sei es die Pentadecansäure gewesen, die den Tieren so gut geholfen hätte. Seither wird C15 gründlich erforscht – allerdings bislang insbesondere in Zell- und Tierstudien oder Beobachtungsstudien.

Was ist Pentadecansäure? Was ist C15?

Pentadecansäure ist eine gesättigte Fettsäure mit 15 Kohlenstoffatomen (Kohlenstoff = C). Daher nennt man sie auch C15. Die korrekte chemische Abkürzung wäre aber C15:0.

Die Zahl hinter dem Doppelpunkt steht für die Anzahl der Doppelbindungen zwischen den C-Atomen. Bei der Pentadecansäure gibt es keine Doppelbindung, andernfalls wäre sie keine gesättigte Fettsäure.

C18:1 steht z. B. für die Ölsäure (z. B. im Olivenöl). Sie ist somit aus 18 Kohlenstoffatomen aufgebaut und hat 1 Doppelbindung. Sie ist daher auch keine gesättigte Fettsäure, sondern eine einfach ungesättigte (einfach, weil sie 1 Doppelbindung hat).

C15 ist eine Ausnahme unter den Fettsäuren. Denn sie besteht aus 15 Kohlenstoffatomen. Die meisten anderen Fettsäuren bestehen aus einer geraden Anzahl an Kohlenstoffatomen.

Während nun viele andere gesättigte Fettsäuren den Ruf haben, die Gesundheit zu belasten, vor allem im Alter und vor allem die Herz-Kreislauf-Gesundheit, soll es bei C15 gerade umgekehrt sein. Sie hemmt Alterungsprozesse.

Ist die Pentadecansäure eine essenzielle Fettsäure?

Es gibt nach offizieller Definition zwei essenzielle Fettsäuren für Menschen – die Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Die Pentadecansäure gehört also nicht dazu.

Die Definition von „essenziell“ umfasst, dass ein Stoff nicht vom Organismus selbst hergestellt werden kann, aber für die Gesundheit so unentbehrlich ist, dass er mit der Nahrung oder im Zweifel mit einer Nahrungsergänzung eingenommen werden muss, da es sonst zu Mangelerscheinungen kommt. Beispiel: Nimmt man kein Vitamin C zu sich, bekommt man Skorbut.

Ein solcher Mechanismus wurde für die Pentadecansäure bis jetzt noch nicht belegt. Und es ist auch unwahrscheinlich, dass dies noch passieren wird. Denn die Pentadecansäure ist in relevanten Mengen ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten, so dass vegan Lebende entsprechende Mängel aufweisen müssten, was aber nicht der Fall ist.

Im Gegenteil. Das Risiko für eine Fettleber beispielsweise, das bei einem vermeintlichen C15-Mangel besonders hoch sein soll, ist bei vegan Lebenden ohnehin geringer als bei Personen, die Fleisch und Milchprodukte konsumieren.

Außerdem kann die Fettsäure im menschlichen Körper (vorwiegend in der Leber) zumindest in gewissen Mengen hergestellt werden. Dies ist ein Ausschlusskriterium für Essenzialität.

Welche Funktionen hat die Pentadecansäure im Körper?

Die Pentadecansäure gilt in erster Linie als Anti-Aging-Fettsäure: Sie macht Zellmembrane widerstandsfähiger, hilft bei der Reparatur der Mitochondrien und optimiert die zelluläre Signalübertragung – was Venn-Watson als die drei Merkmale eines wirksamen Anti-Agings bezeichnet.

Widerstandsfähigere Zellmembrane

Wenn es um Zellmembrane geht, sind immer auch Omega-3-Fettsäuren entscheidend. Sie sind wichtige Bausteine der Zellmembran und erhöhen die sog. Membranfluidität (Membranbeweglichkeit).

Je beweglicher (fluider) die Zellmembran ist, desto besser funktionieren Membranproteine, die als Rezeptoren, Ionenkanäle und Transporter dienen und desto effizienter laufen Signalübertragung, Stoffaustausch und Anpassungsreaktionen der Zelle ab.

Zwar behaupten C15-Seiten, Pentadecansäure würde Zellmembranen stärken. Das klingt, als sei die Pentadecansäure genau wie Omega-3-Fettsäuren ein mengenmäßig relevanter Baustein der Zellmembranen, was nicht der Fall ist.

Zellmembranen (von Nerven zum Beispiel) bestehen zu 20-40 % aus Omega-3-Fettsäuren. Dies ist entscheidend für gesunde kognitive Funktionen und die Sehfunktion der Augen.

Die Menge an C15 in einer Membran wird maximal 1 % ausmachen. Was C15 aber in dieser geringen Menge tut:

Es stabilisiert die Membran (ohne sie, wie andere gesättigte Fettsäuren es tun würden, zu versteifen) und schützt die empfindlichen Omega-Fettsäuren in der Membran vor Oxidation (Lipidperoxidation). Dadurch wird die Membran widerstandsfähiger gegen oxidativen Stress und andere Herausforderungen.

Bestehe hingegen ein Mangel an C15 in den Zellmembranen (was jeden Dritten betreffe), dann könnten diese brüchig werden, was zum Zellfragilitätssyndrom führen könne, erklären die Venn-Watsons auf ihrer fatty15-Website.

Das Zellfragilitätssyndrom ist übrigens eine ganz neue Wortschöpfung – und zwar ebenfalls von den Venn-Watsons. Das heißt, in der Literatur findet sich dazu nichts.

Optimierte zelluläre Signalübertragung

In Zellstudien zeigt die Pentadecansäure eine milde Aktivierung von PPAR-abhängigen Signalwegen. Dies fördert die Fettverbrennung, reduziert Entzündungen und sorgt dafür, dass sich Zellen leichter an Stressreaktionen anpassen können.

Bessere Leberwerte bei Übergewichtigen

Zum Einfluss der Pentadecansäure auf Personen mit Übergewicht gibt es tatsächlich schon eine klinische Interventionsstudie (eine der beiden bisher existierenden Humanstudien). Doch auch diese ist mit 30 Teilnehmern klein (1).

Im Mittelpunkt standen die Sicherheit und Verträglichkeit sowie zwei Leberwerte und das Hämoglobin. Bei Übergewicht sind die beiden Leberwerte häufig erhöht.

20 Personen erhielten 12 Wochen lang täglich 200 mg Pentadecansäure, die anderen 10 ein Placebopräparat. Die Probanden waren mit durchschnittlich 20 Jahren sehr jung und mit einem durchschnittlichen BMI von 33,4 teilweise schon adipös.

Zum Studienende war der Pentadecansäurespiegel in der C15-Gruppe deutlich gestiegen – im Vergleich zur Placebogruppe. Wer einen Wert von über 5µg/ml hatte, erlebte einen deutlicheren Rückgang bei den Leberwerten (ALT (um -29 U/l), AST (um -6 U/l)) und einen größeren Anstieg beim Hämoglobin als jene Probanden, die unter den 5 µg/ml blieben.

Zwar war der Leberwert-Rückgang statistisch signifikant, aber stellt nun keine beeindruckende Veränderung und auch „Leberheilung“ dar.

Bei Fettleber sind Ernährung und Gewicht entscheidend

Da aus Beobachtungsstudien bekannt war, dass höhere Pentadecansäure-Werte mit einem geringeren Fettleberrisiko in Verbindung stehen, überprüfte man dies im Jahr 2023 in einer Studie:

88 Frauen nahmen teil und sollten 12 Wochen lang entweder eine mediterrane Diät durchführen und dazu 300 mg C15 pro Tag nehmen, nur die Diät machen oder weiter ganz normal essen (Kontrollgruppe).

Die Diät-C15-Gruppe nahm 4 kg ab, die Diät-Gruppe nahm 3,4 kg ab und die Kontrollgruppe 1,5 kg. Auch das Leberfett nahm ab. In beiden Diät-Gruppen um 30 %, in der Kontrollgruppe um 10 %.

Der Pentadecansäure-Zusatz konnte immerhin den Cholesterinspiegel etwas senken und die Darmflora positiv beeinflussen.

Diabetes Typ 2 – Mehr Pentadecansäure im Blut, seltener Diabetes

In einer Studie von 2014 untersuchte man an über 12.000 Personen mit neu aufgetretenem Diabetes Typ 2 die Fettsäureverteilung im Blut (genauer gesagt in den Plasmaphospholipiden) (6). Es wurden insbesondere die gesättigten Fettsäuren gemessen.

Je höher der Anteil der geradkettigen gesättigten Fettsäuren war, also C14 (Myristinsäure), C16 (Palmitinsäure) und C18 (Stearinsäure), umso höher war das Risiko für Diabetes.

Je höher hingegen der Anteil der beiden ungeradkettigen gesättigten Fettsäuren C15 und C17 (Heptadecansäure) war, umso seltener kam es zu einem Diabetes. Bei C15 war das Risiko um 21 % niedriger, bei C17 sogar um 33 %. Bei den langkettigen gesättigten Fettsäuren war das Risiko ebenfalls etwas niedriger.

Wie die C15-Bildung im Darm gefördert wird und was C15 dort bewirkt

In Stuhlproben von Menschen mit Colitis ulcerosa war der Gehalt an Pentadecansäure niedriger als bei Menschen ohne Darmentzündung. Könnte die Pentadecansäure also bei Darmentzündungen hilfreich sein?

Eine 2024 veröffentlichte Studie mit Mäusen (die an Colitis ulcerosa litten) zeigte, dass die Einnahme von GOS (Galactooligosacchariden) und dem probiotischen Darmbakterium L. reuteri die Darmflora so veränderte, dass diese nun verstärkt Pentadecansäure bildete (5).

Allerdings wird diese Pentadecansäure nicht ins Blut aufgenommen. Sie bleibt im Dickdarm, hat aber genau dort sehr vorteilhafte Wirkungen. Sie linderte die Darmentzündung, verbesserte die Funktion der Darmbarriere (wirkt also gegen das Leaky Gut Syndrom) und förderte die Reparation der Darmschleimhaut.

GOS sind präbiotische Ballaststoffe, die aus Milch (Lactose) hergestellt werden und als Nahrungsergänzung im Handel sind.

Wirkt die Pentadecansäure ähnlich lebensverlängernd wie Metformin und Rapamycin?

In der Longevity-Szene steht die Lebensverlängerung derart im Mittelpunkt, dass sogar vor nebenwirkungsreichen Medikamenten nicht Halt gemacht wird, wenn diese nur irgendeinen lebensverlängernden Wirkmechanismus bieten.

Dazu gehören z. B. Rapamycin und Metformin. Beide sind verschreibungspflichtig und werden dann häufig über den Graumarkt organisiert. Denn ein Rezept erhält man im Allgemeinen nicht, wenn man damit „nur“ sein Leben verlängern will.

Metformin ist ein Medikament zur Blutzuckerregulierung (bei Diabetes oder Prädiabetes) und Rapamycin ist ein Immunsuppressivum. Es wurde für die Einnahme nach Organtransplantationen entwickelt, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

Länger leben mit Rapamycin?

Rapamycin blockiert den sogenannten mTOR-Signalweg, der Zellen dazu antreibt zu wachsen, sich zu teilen und neue Strukturen aufzubauen. Dieser Signalweg ist in jungen Jahren wichtig, steht aber im Alter mit Krebs, Entzündungen und beschleunigtem Altern in Verbindung.

In Tierversuchen konnte Rapamycin die Lebensspanne teils deutlich verlängern. (Ob es dies auch beim Menschen tut, ist nicht geklärt). Gleichzeitig hat das Medikament aber Nebenwirkungen:

Das Immunsystem wird gedämpft, Infekte treten leichter auf, Wunden heilen langsamer, und langfristig können Muskelabbau, Schleimhautprobleme oder Stoffwechselstörungen auftreten.

Dies zeigt: In der Longevity-Szene geht es um länger leben, aber nicht zwangsläufig um gesund sein.

Länger leben mit Metformin?

Metformin wirkt deutlich schwächer. Abgesehen von seiner Wirkung auf den Zuckerstoffwechsel aktiviert es einen Energiesensor der Zelle (AMPK) und bremst damit indirekt ebenfalls Wachstumssignale wie mTOR.

In Beobachtungsstudien leben Menschen mit Diabetes, die Metformin einnehmen, im Durchschnitt länger und entwickeln seltener altersbedingte Erkrankungen als Personen, die andere Mittel erhalten. Mit den Nebenwirkungen arrangieren sich viele (Übelkeit, Durchfall, Vitamin-B12-Mangel).

Wirkt C15 wie Metformin und Rapamycin?

Die Pentadecansäure wird in diesem Zusammenhang erwähnt, weil es in Zell- und Tierstudien ebenfalls den zentralen Wachstumsschalter mTOR hemmte, allerdings nur sehr mild.

Auch kann C15 Reparaturmechanismen anregen, Entzündungsprozesse reduzieren und antioxidativ wirken – was alles sehr zu einem langen Leben beiträgt (falls sich die C15-Eigenschaften aus den bekannten Zellstudien beim Menschen bewähren sollten) (4).

Ist die Pentadecansäure besser als Omega 3?

Da immer wieder gesagt wird, die Pentadecansäure sei besser als Omega-3-Fettsäuren, z. B. weil es weniger oxidationsanfällig sei, sind viele Leute inzwischen verunsichert.

Auch kursiert dieser Satz: „C15 zeigte im direkten Vergleich mit reinem EPA dreimal so positive Auswirkungen auf die Zellen, die für unser Immunsystem, unseren Stoffwechsel, unser Herz und unsere Leber relevant sind.“ Er ist eine etwas irreführende Zusammenfassung einer Studie von 2022 (2).

EPA zählt gemeinsam mit DHA zu den langkettigen Omega-3-Fettsäuren, die man im Allgemeinen mit Fisch- oder Algenöl zu sich nimmt. Nun klingt das Zitat aber so, als sei die Pentadecansäure dreimal besser als EPA.

In der Studie jedoch ging es ausschließlich um Zellversuche, so dass man nicht sagen kann, ob die beobachteten Wirkungen auch im Menschen genauso zutreffen würden.

So heißt es z. B. in der Studie, dass EPA in manchen der Versuche toxisch für die Zellen gewesen sei. Das irritiert, weil man nun denkt, EPA und DHA aus Algenöl seien plötzlich giftig.

In den entsprechenden Versuchen aber wurden Konzentrationen an freiem EPA erreicht, die teilweise 50-mal so hoch sind wie Konzentrationen, die nach der Einnahme von Algenöl erreicht werden.

Dazu kommt, dass Omega-3-Fettsäuren zu einem Teil ganz andere Eigenschaften und Wirkmechanismen aufweisen als C15, so dass man auch nicht sagen kann, dass das eine besser als das andere ist, geschweige denn, dass das eine das andere ersetzen kann.

Kann man Pentadecansäure mit Omega 3 zusammen einnehmen?

Wenn man Pentadecansäure als Nahrungsergänzung einnehmen möchte, kann man das auch kombiniert mit Omega-3-Fettsäuren tun. Denn letztere sind ja bewährte und in tausenden Humanstudien gut erforschte Nährstoffe.

Und da die Pentadecansäure nicht die Wirkungen, Eigenschaften und Funktionen von Omega-3-Fettsäuren hat, sondern eigene, kann man Omega 3 natürlich nicht einfach weglassen, nur weil man C15 nimmt.

Welche Lebensmittel enthalten Pentadecansäure?

Lebensmittel, die natürlicherweise Pentadecansäure enthalten, sind insbesondere fette Milchprodukte und andere tierische Produkte, die Fett von Wiederkäuern enthalten. Nachfolgend ein paar Werte als Anhaltspunkte (immer pro 100 g):

Butterschmalz 1100 mg, Butter 908 mg, Rinderschmalz 555 mg, Saure Sahne 40 % und Mascarpone 470 mg, Brie 70 % 450 mg, Schlagsahne 40 % 430 mg, Gouda 45 % 318 mg, Emmentaler Vollfettstufe 340 mg, Joghurt Vollfettstufe 43 mg, Joghurt 1,5 % 18 mg, Lachs roh 39 mg, Steak mittelfett 32 mg.

Warum die Pentadecansäure in den sozialen Medien so gehypt wird

Es ist auffallend, dass die Pentadecansäure insbesondere jene Leute so begeistert, die Ernährungsformen praktizieren, die viele tierische Produkte enthalten. Vertreter der Keto-Diät sind hier genauso dabei wie jene, die nach den Richtlinien der Weston A. Price-Stiftung leben.

Denn die Pentadecansäure ist eine gesättigte Fettsäure und noch dazu in tierischem Fett enthalten. Wenn sich diese nun in Studien als vorteilhaft für die Gesundheit zeigt, dann scheint dies ein perfektes Argument für die genannten Ernährungsformen zu sein und hilft gleichzeitig dabei, die vegane Ernährung erneut als Mangelernährung darzustellen.

Watsons Forschungsergebnisse werden also so ausgelegt, dass man mehr Weidebutter, Weidevollmilch, Käse aus Weidevollmilch und Weidefleisch essen soll, um sich mit ausreichend C15 zu versorgen.

„Weide“ ist deshalb so wichtig, weil die Fettsäure im Pansen von Wiederkäuern gebildet wird – und die C15-Bildung im Pansen bei Gras- und Heu-Nahrung deutlich höher sei als bei Getreidefütterung (wie in der Massentierhaltung üblich).

Warum die C15-Forscher Lebensmittel als C15-Quelle nicht empfehlen

Venn-Watson bestätigt auf ihrer Website, dass der Trend zu Produkten aus Massentierhaltung, zu fettreduzierten Milchprodukten sowie zu pflanzlichen Milchprodukten dazu geführt habe, dass man seit den 1970er Jahren immer weniger C15 zu sich nehme.

Interessanterweise ist aber Venn-Watson selbst der Meinung, dass der verstärkte Verzehr von Butter, Milch, Käse etc. zahlreiche ungünstige Eigenschaften mit sich bringe, auf die man bei einem Lebensstil, der Gesundheit und Longevity zum Ziel hat, besser verzichten solle.

Die genannten Lebensmittel enthielten die „schlechten“ geradkettigen gesättigten Fettsäuren mit entzündungsfördernder Wirkung und außerdem viele Kalorien. Daher sei bekannt, dass Milchprodukte nicht zu einem besseren Gesundheitszustand beitragen, schreibt sie auf ihrer Website.

Auch sei – so Watson – Pentadecansäure in diesen Lebensmitteln nicht gut bioverfügbar. Denn die Fettsäure liege gebunden in Form von Triglyceriden vor, die im Darm erst enzymatisch aufgespalten werden müssen, damit freies C15 aufgenommen werden kann.

Watson ist daher der Ansicht, C15 solle am allerbesten in isolierter und reiner Form aufgenommen werden, sprich in Form einer Nahrungsergänzung. Da entfalte die Fettsäure die bessere Wirkung.

Erhältlich ist ein solches Produkt praktischerweise gleich direkt bei ihr, genauer gesagt bei der Firma Seraphina Therapeutics. Dabei handelt es sich um ein recht erfolgreiches Startup, das fatty15 herstellt, eine Nahrungsergänzung aus reinem C15. Stephanie Venn-Watson ist - genau wie ihr Ehemann Eric Venn-Watson - Mitgründer und Co-CEO von Seraphina Therapeutics.

Erwähnenswert ist, dass es sich um veganes C15 handelt.

Warum liegt ein Interessenkonflikt vor?

Wir haben hier daher einen eindeutigen Interessenkonflikt vorliegen.

Dr. Venn-Watson ist führende Autorin zentraler Publikationen zu Pentadecansäure und gleichzeitig (gemeinsam mit ihrem Mann) Mitgründerin einer Firma, die Pentadecansäure kommerziell vertreibt. Zusätzlich wurde ein Test angeboten, mit dem man seinen C15-Spiegel bestimmen lassen kann, um einen "Mangel" aufzuspüren. (Hinweis: Der Test scheint aktuell nicht lieferbar zu sein).

In ihrer Forschung definiert Watson C15:0 als „essenziellen Nährstoff“ und behauptet, „niedrige Spiegel“ würden einen Mangel bedeuten, der gesundheitliche Folgen nach sich ziehe – obwohl dies noch lange nicht geklärt ist.

Problemdefinition, Diagnostik und Therapie liegen hier in einer Hand. Solche Konstellationen gelten in der Wissenschaft als hochgradig bias-anfällig. Leicht können sie zu Überdiagnostik und Übertherapie führen.

Zwar spricht nichts dagegen, dass man als Experte auf einem Gebiet auch gleich ein passendes Produkt entwickelt. Schließlich weiß man am besten, worauf es ankommt. Doch sollte man als Experte auch einschätzen können, wann die Beweislage (Evidenz) für eine tatsächliche Einnahme-Empfehlung ausreichend ist und wann noch nicht.

Hier ist die Evidenz noch sehr dünn. Es liegen gerade einmal zwei kleine Human-Interventionsstudien vor (mit höheren Dosen als jene, die schließlich im Produkt enthalten sind). Alles andere sind Zell- und Tierstudien. Wie will man daraus eine allgemeine Empfehlung für eine Nahrungsergänzung ableiten, die nun alle möglichen Leute einnehmen?

Venn-Watsons Forschung ist also nicht unabhängig und ihre Schlussfolgerungen sind zu weitreichend. Beides senkt die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen deutlich.

Wie viel Pentadecansäure braucht man pro Tag? Wie hoch ist der Bedarf?

Das Supplement von fatty15 enthält 100 mg pro Tagesdosis. In den beiden oben vorgestellten Interventionsstudien waren es 200 bzw. 300 mg pro Tag, die eingenommen wurden.

Die Tagesdosis von 100 mg kostet 1,28 bis 1,67 USD (= ca. 1,10 bis 1,40 Euro - Stand 8.2.2026). Würde man die Studiendosen einnehmen wollen, stiege der Betrag pro Tag auf das Doppelte oder Dreifache. Es wird außerdem eine dauerhafte Einnahme empfohlen.

Zur Einnahme von 100 mg gibt es noch keine einzige Studie.

Da Pentadecansäure nicht als essenziell gilt, gibt es auch keine Empfehlung für einen Tagesbedarf.

Sind Supplements mit C15 in der EU erlaubt?

In der EU gilt C15 als Novel Food und darf daher nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Erst muss eine Zulassung beantragt werden. In den USA hingegen – siehe fatty15 – ist das Supplement frei verfügbar. Fatty15 versendet (aus den USA) auch nach Europa.

Wo kann man C15 kaufen?

In Deutschland kann man C15 offiziell noch nicht kaufen. Man kann es aber direkt * bei fatty.com in den USA bestellen. Sie erhalten es unter dem vorigen Link.

Wie und wann müsste man C15 einnehmen?

Falls Sie C15 als Nahrungsergänzung einnehmen wollten, dann nimmt man es am besten zu einer Mahlzeit. Denn als Fettsäure wird das Mittel am besten im Rahmen einer Mahlzeit aufgenommen. Die Tageszeit spielt dabei keine Rolle.

Fazit: Pentadecansäure – Forschung ist noch ganz am Anfang

Die Pentadecansäure ist somit eine interessante Fettsäure. Allerdings ist zweifelhaft, ob man sich tatsächlich mit ihr beschäftigen oder sie gar einnehmen sollte. Es ist bislang eher nicht davon auszugehen, dass sie essenziell ist, so dass man sich die Supplementierung vorerst sparen kann – zumal es Produkte in der EU ohnehin nicht im Handel gibt (zumindest nicht in guter Qualität).

Wenn Sie sich das fatty15-Produkt aber leisten möchten, spricht auch nichts dagegen, es auszuprobieren und zu beobachten, wie es auf den individuellen Stoffwechsel und die persönlichen Longevity-Marker wirkt.

Und was die Delfine betrifft: Sie sind obligate Fleisch- bzw. Fischfresser, ernähren sich zu 100 % von Fisch und haben einen Fettstoffwechsel, der sich sehr deutlich vom menschlichen Fettstoffwechsel unterscheidet.

Nur weil die Tiere im Alter also ähnliche Beschwerden haben wie wir, bedeutet das nicht, dass Mittel, die Delfinen helfen, in genau demselben Ausmaß auch beim Menschen anschlagen.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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